Degenerative Erkrankung

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Theoretisch können sämtliche Organe und Gewebestrukturen von einer degenerativen Erkrankung betroffen sein, auch wenn in der Praxis entsprechende pathologische Geschehen besonders häufig im Muskel-, Skelett- und Nervensystem zu beobachten sind. Die Degeneration ist nicht selten unwiderruflich.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Symptome
Diagnostik
Behandlung
Naturheilkunde bei degenerativen Erkrankungen

Definition

Als „degenerative Erkrankungen“ werden Krankheiten bezeichnet, bei denen Gewebestrukturen und Organe durch das Krankheitsgeschehen in ihrer Struktur oder Funktion nachhaltig beeinflusst beziehungsweise geschädigt werden. Dies kann auch ein Absterben des Gewebes (Nekrose) oder einen Gewebeschwund (Atrophie) umfassen. Allerdings ergibt sich nicht aus jeder Nekrose oder Atrophie zwangsweise eine degenerative Erkrankung.

Symptome

Die Symptomatik der degenerativen Erkrankungen ist abhängig von ihrer jeweiligen Lokalisation. Betreffen sie beispielsweise den Bereich der Wirbelsäule, wie dies bei einem Bandscheibenvorfall, einer Spondylarthrose oder dem Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) der Fall ist, so bilden Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen einen wesentlichen Bestandteil des Beschwerdebildes. Zeigt sich eine degenerative Veränderung im Bereich der Nieren, kann dies unter anderem mit Flankenschmerzen und Problemen bei der Urinabgabe verbunden sein. Degenerative Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gehen oftmals mit Veränderungen des Blutdrucks und Beschwerden wie Schwindel, Müdigkeit und einer allgemeinen Leistungsschwäche einher. Auch Herzrasen und Brustschmerzen beziehungsweise Herzschmerzen können hier auftreten, wenn das Herz und umliegende Gewebestrukturen von degenerativen Veränderungen betroffen sind.

Degenerative Knochenerkrankungen
Degenerative Prozesse können an sämtlichen Knochen auftreten, es sind jedoch besonders häufig Strukturen betroffenen, die hohen Belastungen ausgesetzt werden. Hier ist vor allem die Wirbelsäule zu erwähnen. Mögliche degenerative Erkrankungen in diesem Bereich sind zum Beispiel die sogenannte Spondylarthrose, welche degenerative Veränderungen der Wirbelbogengelenke umfasst, die sogenannte spinale Stenose, welche eine Verengung des Wirbelkanals beschreibt, oder das sogenannte Wirbelgleiten (degenerative Spondylolisthese). Eine häufige Folge der degenerativen Prozesse im Bereich der Wirbelsäule ist der Bandscheibenvorfall. Des Weiteren leiden einige Menschen unter einer seitlichen Verschiebung der Wirbelsäule (Skoliose), mit der eine Degeneration der Wirbelgelenke und umliegender Strukturen einhergehen kann.

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Degenerative Erkrankungen betreffen oftmals das Knochensystem. (Bild: itsmejust/fotolia.com)

Neben der Wirbelsäule sind vor allem die großen, stark belasteten Gelenke, wie beispielsweise das Hüftgelenk, das Knie oder die Schulter häufig von degenerativen Veränderungen betroffen. Entsprechend zählen auch Hüftschmerzen, Knieschmerzen und Schmerzen im Schultergelenk zu den möglichen Beschwerden der degenerativen Knochenerkrankungen. Darüber hinaus gehört die Osteoporose (Knochenschwund), welche durch eine Abnahme der Knochendichte und eine entsprechende Anfälligkeit gegenüber Frakturen gekennzeichnet ist, ebenfalls zu den möglichen degenerativen Erkrankungen des Knochensystems. Gleiches gilt für die Osteochondrose, bei der die Umwandlung von Knorpel zu Knochen und damit das Knochenwachstum beeinträchtigt wird. Die Scheuermann-Krankheit, welche durch eine ausgeprägte Fehlhaltung aufgrund von Wachstumsstörungen der Wirbelsäule im Jugendalter gekennzeichnet ist, lässt sich ebenfalls diesem Bereich der degenerativen Krankheiten zuordnen.

Degenerative Muskelleiden
Aus dem Bereich der degenerativen Muskelerkrankungen sind zum Beispiel die sogenannten Muskeldystrophien zu nennen, welche durch eine genetisch bedingte Schädigung der Muskelzellen gekennzeichnet werden. Die Folge sind eine Muskelschwäche und gegebenenfalls Muskelschwund. Mitunter zeigt sich ein vollständiger Funktionsverlust der betroffenen Muskulatur. Weitere degenerative Muskelerkrankungen sind die sogenannten kongenitalen Myopathien. Diese speziellen Muskelerkrankungen (Myopathien) treten meist schon bei der Geburt oder aber im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Auch ist eine Muskelschwäche aufgrund einer Mitochondrialen Myopathie möglich, bei der die Minikraftwerke der Muskelzellen (die Mitochondrien) in ihrer Funktion gestört werden. Degenerative Veränderungen der Muskulatur können ebenso infolge zahlreicher anderer Erkrankungen auftreten, wobei hier jedoch keine originäre Muskelerkrankung zu Grunde liegt.

Neurodegenerative Erkrankungen
Neurodegenerative Erkrankungen sind insbesondere bei älteren Menschen relativ häufig, da das Nervensystems im Laufe der Zeit vielfachen Beeinträchtigungen und natürlichen Alterungsprozessen ausgesetzt ist. Die wohl bekannteste Form der neurodegenerativen Erkrankungen ist Morbus Alzheimer. Diese häufigste Variante der Demenz wird den sogenannten Tauopathien zugeordnet, bei denen eine auffällige Ansammlung des Tau-Proteins im Gehirn zu beobachten ist. Alzheimer geht mit erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen einher, die von einer leichten Vergesslichkeit im Frühstadium bis hin zu einem vollständigen Gedächtnisverlust im späteren Krankheitsverlauf reichen.

Eine weitere recht bekannte neurodegenerative Erkrankung ist Morbus Parkinson, deren auffälligstes Merkmal ein unkontrolliertes Muskelzucken (Tremor) bildet. Weitaus seltener ist die sogenannte Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), welche den degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems zugeordnet wird. Die Schädigung des Nervensystem hat dabei auch degenerative Veränderungen der Muskulatur beziehungsweise eine Muskelschwäche sowie gegebenenfalls einen Muskelschwund zur Folge. Die auftretenden Lähmungen verursachen Beschwerden wie Schluckprobleme, Sprachstörungen, Gangschwierigkeiten, eine nachlassende Muskelkraft und zunehmende Bewegungseinschränkungen. In das breite Spektrum der neurodegenerativen Erkrankungen gehören darüber hinaus etliche weitere, zum Teil äußerst seltene Beschwerdebilder, wie beispielsweise die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, die Huntington-Krankheit (Chorea Huntington) oder Morbus Pick.

Weitere degenerative Erkrankungen
Zu den degenerativen Erkrankungen zählen im weitesten Sinne auch ateriosklerotisch bedingte Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems wie beispielsweise die Koronare Herzkrankheit. Ursache ist dabei eine fortschreitende Arterienverkalkung, die langfristig schlimmstenfalls mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall endet. Des weiteren sind einzelne Gewebestrukturen aufgrund ihrer besonderen Beschaffenheit vermehrt von einer Degeneration betroffenen. Dies gilt zum Beispiel für die Netzhaut des Auges. Hier zeigen sich häufig degenerative Veränderungen im Punkt der höchsten Sehschärfe – der sogenannten Makula. Diese Makuladegeneration bringt eine deutliche Einschränkung der Sehkraft mit sich.

Diagnostik

Bei den meisten degenerativen Krankheiten sind die Gewebeveränderungen mittels moderner bildgebender Verfahren feststellbar. Daher bilden Ultraschall, Röntgenaufnahmen, Computertomographie und die Magnetresonanztomographie hier die wichtigsten Diagnoseinstrumente. Insbesondere bei den neurodegenerativen Erkrankungen könne diese Methoden jedoch oftmals nur wenig zur Diagnose beitragen. Hier sind hochspezialisierte Untersuchungen erforderlich. Entsprechend dem breiten Spektrum der degenerativen Erkrankungen können im Einzelfall zahlreiche weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen, die von Blutuntersuchungen und Urinproben bis hin zu der Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) reichen.

Behandlung

Ein umfassende Darstellung sämtlicher Behandlungsansätze gegen die unterschiedlichen degenerativen Erkrankungen würde an dieser Stelle deutlich den Rahmen sprengen, so dass hier lediglich ein Verweis auf die grundsätzlichen Ziele der Therapie erfolgt. Zunächst gilt es, das Fortschreiten der Degeneration möglichst zu stoppen. Dies gelingt jedoch bei vielen degenerativen Erkrankungen nur bedingt. Zum Beispiel lässt sich das Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder ALS bis heute nicht zum Stillstand bringen, sondern lediglich verzögern. Besteht die Möglichkeit die Degeneration mit therapeutischen Mitteln aufzuhalten, sollte anschließend eine Wiederherstellung der ursprünglichen Strukturen angestrebt werden. Oftmals sind die degenerativen Veränderungen jedoch irreversibel. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass bei den degenerativen Erkrankungen die Behandlungsoptionen häufig eher gering ausfallen und eine Heilung nur bei wenigen Krankheitsbildern erreicht werden kann. Die Therapie zielt oftmals vor allem auf eine Linderung der Symptome.

Naturheilkunde bei degenerativen Erkrankungen

Die Naturheilkunde hält gegen die unterschiedlichen Krankheitsbilder der degenerativen Erkrankungen umfassende Behandlungsansätze parat, die mittlerweile auch vielfach in der Schulmedizin Einzug gehalten haben. Hier seien insbesondere die Akupunktur und die Osteopathie erwähnt. Krankengymnastik spielt ihrerseits generell bei der Behandlung der degenerativen Muskel- und Knochenerkrankungen eine wesentliche Rolle. Auch der Ernährungstherapie wird bei der Behandlung verschiedener degenerativer Beschwerdebilder eine äußerst positive Wirkung zugeschrieben. Insgesamt bringt die ganzheitliche Herangehensweise der Naturheilkunde bei den degenerativen Krankheiten durchaus einige Vorteile mit sich, da in anderen Körperregionen möglicherweise vorliegende Ursachen der Degeneration mit berücksichtigt werden. So kann die Naturheilkunde bei Erkrankungen wie beispielsweise einer Arthrose, der Osteoporose oder auch einem Bandscheibenvorfall einen wesentlichen Beitrag zur Therapie leisten. (fp)