Lymphatisches System

Das lymphatische System in der Naturheilkunde

Das menschliche Lymphsystem transportiert Flüssigkeit, darin enthaltene Nährstoffe und verschiedene andere wichtige Stoffe wie Abwehrzellen durch den menschlichen Körper. Gleichzeitig reinigt es mit Hilfe der Lymphknoten diese Flüssigkeit, etwa von Schadstoffen und abgestorbenen Zellen. Damit übernimmt das Lymphsystem wichtige Aufgaben zum Beispiel innerhalb des Immunsystems und bei der Nährstoffversorgung der Zellen. Aufbau, Aufgaben und Funktionsweise des Lymphsystems haben Ähnlichkeit mit dem System der Blutgefäße, die das Blut durch den Körper befördern.

Alle allgemeinen Informationen zu Aufbau und Funktion finden Sie in unserem Artikel „Das menschliche Lymphsystem“. Im Folgenden beleuchten wir die Aufgaben des Lymphsystems und seine besondere Stellung aus Sicht der Naturheilkunde, die sich zum Teil von der schulmedizinischen Sicht unterscheiden beziehungsweise diese ergänzen.

Ärztin tastet die Lymphknoten am Hals einer jungen Frau ab.
Eine Schwellung der Lymphknoten lässt sich besonders am Hals gut ertasten. (Bild: M. Dörr & M. Frommherz/stock.adobe.com)

Kurzübersicht

    Einen kurzen Überblick über das lymphatische System in der Naturheilkunde finden Sie in dieser Übersicht.

  • Beschreibung: Aus naturheilkundlicher Sicht wird das Lymphsystem hauptsächlich als Ausleitungssystem für Gifte, Krankheitserreger, abgestorbene oder entartete Zellen und anderes betrachtet. Es reinigt die Lymphflüssigkeit und setzt wichtige Reaktionen des Immunsystems in Gang. Krankheiten, die aus naturheilkundlicher Sicht mit Störungen des Lymphsystems in Verbindung gebracht werden, sind unter anderem geschwächte Abwehrkräfte, Hautprobleme, Arterienverkalkung (Arteriosklerose), Diabetes mellitus und Gicht.
  • Diagnostik: Hauptsächlich Irisdiagnose, Anamnese
  • Naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten: Vor allem Ausleitverfahren (zum Beispiel Schröpfen, Baunscheidt-Therapie, Blutegeltherapie, Cantharidenpflaster), Phytotherapie, Homöopathie, manuelle Therapien wie Lymphdrainage und Osteopathie, TCM
  • Aktive Unterstützung für das Lymphsystem: Ausgewogene Ernährung, eventuell durch Probiotika ergänzt, viel Wasser und Kräutertee, ausreichend Bewegung, genügend Schlaf und Entspannung, tiefe Atmung, einengende Kleidung vermeiden, (Bürsten-)Massagen
  • Hinweis: Probleme im lymphatischen System können auf ernstzunehmende Erkrankungen hinweisen. Daher sollte eine solide diagnostische Abklärung erfolgen, bevor Maßnahmen zur Anregung oder Entlastung des Lymphsystems ergriffen werden.

Das lymphatische System in der Naturheilkunde

In der Naturheilkunde wird das menschliche Lymphsystem vor allem als ein wichtiges Ausleitungssystem betrachtet. Denn es ist in der Lage, zum Beispiel Schadstoffe, Bakterien, Parasiten und abgestorbene oder entartete Zellen abzufangen, zu reinigen, unschädlich zu machen und auszuscheiden.

Aus dieser Sichtweise hat es auch eine therapeutische Bedeutung für die Behandlung verschiedener körperlicher Störungen, die von der Schulmedizin nicht unmittelbar mit dem Lymphsystem in Verbindung gebracht werden. Darunter fallen eine geschwächte Immunabwehr, Hautprobleme und Arterienverkalkung (Arteriosklerose) genau wie Gicht und Diabetes mellitus.

Indem man das Lymphsystem in seiner Arbeit unterstützt, kann man im besten Fall vielen Krankheiten vorbeugen beziehungsweise bereits vorhandene gesundheitliche Probleme positiv beeinflussen.

Lymphatische Konstitution: Diagnostik und Bedeutung

Viele naturheilkundliche Therapeutinnen und Therapeuten erhalten mit Hilfe der Irisdiagnose Hinweise auf Störungen innerhalb des lymphatischen Systems. Die Irisdiagnose teilt Menschen in verschiedene Konstitutionstypen ein. Liegt laut dieser Diagnoseform ein sogenannter lymphatischer Konstitutionstyp vor, liefert dies wichtige Hinweise für die Behandlung.

Unter einem lymphatischen Konstitutionstyp wird dabei eine Person verstanden, bei der bestimmte Reize heftigere („überschießende“) Reaktionen des Lymphsystems und des Immunsystems auslösen als dies normalerweise der Fall wäre.

Dabei wird auch der Annahme Rechnung getragen, dass das lymphatische System funktionell sehr eng mit dem autonomen Nervensystem (vegetatives Nervensystem, Vegetativum oder kurz VNS) und dem Hormonsystem (endokrines System) verbunden ist. Dementsprechend reagiert der Lymphatiker oder die Lymphatikerin auf viele Belastungen nervlich und psychisch stärker als Menschen anderer Konstitutionstypen. Gegenüber sämtlichen inneren und äußeren Reizen kann eine erhöhte Empfindlichkeit bestehen. Dazu gehören Schmerzen, Geräusche oder auch Wettereinflüsse.

Gehört ein Mensch laut Irisdiagnose zum lymphatischen Konstitutionstyp, neigt er zu wiederkehrenden und/oder chronischen Atemwegsinfektionen wie Erkältungen, Nasennebenhöhlenentzündungen oder Bronchitis. Auch häufige Schwellungen der Lymphknoten am Hals und Polypen können auftreten. Darüber hinaus kann auch eine Anfälligkeit für entzündliche Erkrankungen im Darm sowie im Bereich der Nieren, der Blase und der Geschlechtsorgane (Genitalien) bestehen. Hautprobleme sind ebenfalls häufiger zu beobachten.

Aus naturheilkundlicher Sicht sollte ein ganzheitlicher Behandlungsansatz im Fall eines lymphatischen Konstitutionstyps also sowohl Maßnahmen zur Entlastung des Lymphsystems als auch ausgleichende Maßnahmen für die Psyche beinhalten. Zudem sollten die Nieren, die Haut und die Lunge gegebenenfalls Unterstützung erhalten.

Neben der Irisdiagnose können auch durch Wassereinlagerungen (Ödeme) verursachte Schwellungen, chronische Kopfschmerzen, schnelle Ermüdbarkeit oder Konzentrationsprobleme Hinweise darauf liefern, dass das Lymphsystem Unterstützung benötigt. Da dahinter jedoch auch andere, zum Teil ernsthafte, Ursachen stecken können, ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung angezeigt.

Naturheilkundliche Behandlung des Lymphsystems

Eine naturheilkundliche Behandlung soll das Lymphsystem entlasten und bedient sich dazu verschiedener Mittel, die hier nur beispielhaft genannt werden können. Klassische Ab- und Ausleitungsverfahren (auch Ausleitverfahren genannt) wie das Schröpfen, die Baunscheidttherapie, die Blutegeltherapie und insbesondere das Aufkleben von Cantharidenpflastern wirken aktivierend und regen den Lymphfluss an.

Wichtig: Cantharidenpflaster sind aufgrund der möglichen Nebenwirkungen umstritten und sollten nur mit äußerster Vorsicht verwendet werden. Ein Cantharidenpflaster darf nur unter fachlicher Aufsicht und nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden! Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Verbrennungsreaktionen, schlecht heilende Wunden, Narbenbildung und Pigmentverschiebungen. Bei starker Überdosierung können Vergiftungserscheinungen auftreten, die schlimmstenfalls tödlich enden.

Zur Stimulation des lymphatischen Systems stehen außerdem Heilpflanzen zur Verfügung, zum Beispiel der Steinklee oder die Rosskastanie.

Besonders die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bezieht die Milz als ein Organ zur Verteilung der Flüssigkeiten im Körper in die Behandlung ein. Mit speziellen Kräutern und Akupunktur soll die Milz unterstützt werden. Mit aufbereiteten Thymuspräparaten soll das Immunsystem stimuliert und so beispielsweise einer allgemeinen Abwehrschwäche ebenso wie überschießenden allergischen Reaktionen entgegengewirkt werden.

Auch die Homöopathie hält Mittel bereit, die nach den beschriebenen Symptomen von Körper und Gemüt eine regulierende Wirkung auf das Lymphsystem haben sollen. Daneben finden Vitamine, Spurenelemente und Enzyme Verwendung. Die Auswahl eines passenden homöopathischen Mittels sowie auch von Nahrungsergänzungsmitteln gehört jedoch immer in die Hand einer Expertin oder eines Experten.

Manuelle Behandlung des Lymphsystems

Anatomisch und palpatorisch (das heißt beim Tasten) ist das Lymphsystem die weichste Struktur derjenigen Gefäße, die Flüssigkeiten im menschlichen Körper transportieren. Das venöse und arterielle System gilt dagegen als die härteste Struktur. Diesen unterschiedlichen Gewebequalitäten ist auch der Druck bei einer manuellen beziehungsweise mechanischen Behandlung angepasst. Der Weichheit des lymphatischen Systems wird normalerweise mit einer sehr sanften schmerzlosen Behandlung Rechnung getragen.

Hände massieren geschwollene Extremität mit Griffen der Lymphdrainage.
Die Lymphdrainage ist eine gute Möglichkeit, gestaute Lymphe wieder in Fluss zu bringen. (Bild: dimid/stock.adobe.com)

Manuelle und mechanische Verfahren sind gut geeignet, um den Lymphfluss zu unterstützen. Dazu zählen unter anderem die Lymphdrainage und die Osteopathie.

Lymphdrainage

Eine manuelle Lymphdrainage soll den Fluss der Lymphe im Körper unterstützen. Sie wurde in den 1960er Jahren von Dr. Emil Vodder entwickelt. Anhand von vier Grundgriffen wird der natürliche Transportmechanismus der Lymphflüssigkeit im Körper angeregt und gefördert.

In der Schulmedizin kommt die Lymphdrainage vor allem bei Ödemen (Wassereinlagerungen) verschiedener Ursache zum Einsatz. Ein Beispiel dafür ist die begleitende Therapie nach einer Tumorbehandlung. Werden etwa die Lymphknoten eines Arms infolge einer Brustamputation entfernt, kann die Lymphdrainage anschließend helfen, wenn sich Ödeme im Arm bilden.

In der Naturheilkunde wird die Lymphdrainage darüber hinaus bei chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitiden), Bronchitis, Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Haut empfohlen. Diese Anwendungsgebiete beruhen auf Beobachtungen (Erfahrungsmedizin), sind jedoch bisher nicht durch wissenschaftliche Studien belegt.

Wichtig: Für eine Lymphdrainage bestehen diverse Gegenanzeigen (Kontraindikationen). Bitte klären Sie vorab mit Ihrem Hausarzt beziehungsweise Ihrer Hausärztin, ob diese Anwendungsform für Sie geeignet ist.

Eine Lymphdrainage sollte nicht angewendet werden bei:

  • Asthma bronchiale,
  • Entzündungen,
  • erhöhter Körpertemperatur,
  • Herzinsuffizienz,
  • Krebserkrankungen,
  • niedrigem Blutdruck (Hypotonie),
  • Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion (Hyperthyreose oder Hypothyreose),
  • Schwangerschaft,
  • Thrombose oder Thromboseneigung
  • oder Wundrose (Erysipel).

Bei einigen dieser Gegenanzeigen darf gegebenenfalls trotzdem eine Lymphdrainage durchgeführt werden. Dies muss aber eine Ärztin oder ein Arzt im Einzelfall entscheiden.

Osteopathie

Die Osteopathie ist eine weitere manuelle Therapie, die sich positiv auf das Lymphsystem auswirken kann. Alle wichtigen Informationen zur Osteopathie erklärt Ihnen unser Artikel „Was ist Osteopathie?“

Für diese Behandlungsmethode gilt ebenfalls, dass die konkrete Wirkung bei den angegebenen Krankheiten bislang eher auf Beobachtungen beruht (Erfahrungsmedizin). Zur grundsätzlichen Wirkung der Osteopathie auf Prozesse innerhalb des Lymphsystems gibt es allerdings bereits einige wissenschaftliche Studien, die zum Beispiel zeigen, dass sich die Anzahl bestimmter Abwehrzellen in der Lymphflüssigkeit nach einer osteopathischen Behandlung erhöht.

Hinweis: Auch die Osteopathie sollte nur nach Rücksprache mit einem behandelnden Arzt oder einer behandelnden Ärztin und Klärung möglicher Gegenanzeigen zum Einsatz kommen.

Lymphsystem anregen: Das können Sie selbst tun

Wenn Sie Ihr Lymphsystem vorbeugend unterstützen und anregen möchten, gibt es dazu viele einfache Möglichkeiten.

Lymphe ist eine Flüssigkeit, deren Transport unter anderem durch Muskeltätigkeit funktioniert. Indem Sie täglich viel Wasser trinken, für ausreichend Bewegung sorgen und darauf achten, dass Sie möglichst tief und regelmäßig atmen, tun Sie Ihrem Lymphsystem bereits viel Gutes. Eine ausgewogene Ernährung und genügend Schlaf tragen ebenfalls zur Unterstützung beziehungsweise Entlastung des Lymphsystems bei.

Frau mit weißem Handtuchturban sitzt in der Sauna und hält sich eine Massagebürste vor das rechte Auge.
Sauna und Bürstenmassagen sind gute Möglichkeiten, das Lymphsystem in Schwung zu bringen. (Bild: Mikhaylovskiy/stock.adobe.com)

Da enge Beziehungen zwischen Lymphsystem und Verdauungstrakt bestehen, soll sich auch die Einnahme von Probiotika positiv auswirken. Massagen (zum Beispiel Trockenbürsten) und Sauna können das Lymphsystem ebenfalls unterstützen. Vermeiden Sie Kleidung, die Sie einengt, denn das könnte den Lymphfluss behindern.

Um zu überprüfen, ob die Maßnahmen Wirkung zeigen, können Sie vor Beginn einmal in Ruhe aufschreiben, wie Ihr Allgemeinzustand ist und dann täglich prüfen, ob sich positive Veränderungen beobachten lassen. (tf, jvs, kh)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autoren:
Jeanette Viñals Stein, Barbara Schindewolf-Lensch
Quellen:
  • Richard Nickel, August Schummer, Eugen Seiferle: Kreislaufsystem, Haut und Hautorgane, Thieme Verlag 2005
  • K.-H.G. Müller, E. Kaiserling: Lymphgefäßsystem Lymphatisches Gewebe: Diagnostik mit bildgebenden Verfahren, Springer Verlag 2013
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Das lymphatische System - Anatomie und Funktion (Abruf 2019), krebsgesellschaft.de
  • Schünke, Michael et al.: Lymphatisches System und Drüsen; in: Allgemeine Anatomie, Kapitel 7, Thieme Verlag 2018
  • Helmut Deinzer: Von Tonsilitis bis Lymphom, Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift 2014
  • Bierbach, Elvira (Hrsg.): Naturheilpraxis heute. Lehrbuch und Atlas. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 4. Auflage 2009
  • Schweitzer, Rudolf: Herz-Kreislauf-System. Die Heilpraktiker-Akademie. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München, 1. Auflage 2012
  • Chikly, Bruno: Manual techniques addressing the lymphatic system: Origins and development; in: The Journal of the American Osteopathic Association, Vol. 105, Seite 457-464, 2005, JAOA
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  • Mesina, Julian, Hampton, D., Evans, R. et al.: Transient basophilia following the application of lymphatic pump techniques: A pilot study; in: The Journal of the American Osteopathic Association, Vol. 98, Seite 91-104, 1998, JAOA

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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