Nierenstau – Ursachen und Therapie

nierenstau
Nina Reese

Bei einem so genannten „Nierenstau“, handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, welches durch unterschiedliche Ursachen wie zum Beispiel Harnsteine, Tumore oder angeborene Fehlbildungen hervorgerufen werden kann. Im Falle einer gestauten Niere kann der Urin nicht mehr abließen, was oft mit starken Schmerzen verbunden ist, in anderen Fällen aber auch ohne Symptome verläuft. Die Behandlung einer gestauten Niere erfolgt in Abhängigkeit von der gefundenen Ursache, Ziel ist jedoch in jedem Fall das „Hindernis“ zu beseitigen und dadurch den Abfluss des Urins wieder zu gewährleisten.

Symptome und Definition

Die Nieren (lateinisch: ren, griechisch: nephros), die auf beiden Seiten der Wirbelsäule etwa in Höhe der unteren Rippen liegen, haben verschiedene Funktionen wie zum Beispiel die Regulierung des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts sowie des Säure- und Basenhaushalts sowie die Produktion von Hormonen zur Steuerung des Blutdrucks und zur Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Neben dem fungieren sie als „Entgifter“ des Körpers, indem sie Harn produzieren und dabei Abbauprodukte des Stoffwechsels aus dem Blut filtern. Diese Funktionen der Niere können jedoch durch verschiedene Ereignisse, Störungen oder Erkrankungen unterbrochen sein, wodurch der Harn nicht mehr ungehindert zur Blase abfließen und sich in der Folge bis zu den Nieren hoch stauen kann. In diesem Fall liegt ein „Nierenstau“ vor, bei dem es sich also nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um ein Symptom handelt, welches ganz verschiedene Ursachen haben kann.

Die Nieren (Bild: blueringmedia /fotolia)
Die Nieren (Bild: blueringmedia /fotolia)

Medizinisch wird bei einem Nierenstau zwischen einer „Harnstauungsniere“ (medizinisch „Hydronephrose“ oder auch „Wassersackniere“) und einer „Blutstauungsniere“ unterschieden. Bei der Harnstauungsniere staut sich der Urin in vielen Fällen massiv im gesamten Nierenbeckenbereich, sodass sich dieser stark ausdehnt und das Gewebe schließlich durch die Belastung zerstört wird. In der Folge kann die Niere nach und nach ihre Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen, sodass durch die verminderte Ausscheidung des Urins viele schädliche Substanzen (vor allem Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin) im Körper verbleiben und rasch zu gesundheitlichen Problemen wie zum Beispiel einer Harnvergiftung (Urämie) oder zu Herzproblemen führen können.

Ausgelöst wird die Hydronephrose durch einen gestörten Harnabfluss infolge einer Verengung der ableitenden Harnwege, dabei können die Verengungen entweder am Übergang vom Nierenbecken zum Harnleiter (subpelvine oder ureteropelvine Stenose), am Eintritt der Harnleiter in die Harnblase (Ostiumstenose) oder am Abgang der Harnröhre aus der Blase (Blasenhalsstenose) auftreten. Eine gestaute Niere bleibt oft lange Zeit symptomlos und wird erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. In den meisten Fällen kommt es im Laufe der Zeit durch den andauernden Druck auf die benachbarten Organe zu Kreuzschmerzen, Rückenschmerzen oder Flankenschmerzen, Betroffene sprechen hier von einem „stechenden“ Schmerz, der sich anfühlt, als „als wenn ein Messer in der Niere steckt“. Neben den Schmerzen können auch Fieber, starke Müdigkeit und Erschöpfung sowie häufige Harnwegsinfektionen ein Anzeichen für einen Nierenstau sein, hinzu kommt als deutliches Anzeichen eine stark verringerte Menge Urin von häufig weniger als 500 Milliliter am Tag (Oligurie). Neben dem sammeln sich durch die nicht mehr funktionierende Filterfunktion der Nieren zunehmend rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Urin, was zu einer Rotfärbung bzw. Blut im Urin (Hämaturie) führt. Bei Säuglingen treten zudem normalerweise Gedeihstörungen, Durchfall und Erbrechen auf.

Bei einer so genannten „Blutstauungsniere“ ist die Niere hingegen in vielen Fällen zum Beispiel in Folge einer Herzinsuffizienz oder einer Nierenvenenthrombose in Form und Zustand verändert. Dadurch funktioniert die Niere nicht mehr einwandfrei, es wird weniger Urin ausgeschieden als gewöhnlich und schädliche Stoffe, die so genannten „harnpflichtige Substanzen“ verbleiben im Körper. In Falle einer Blutstauungsniere sind häufig noch andere Organe geschädigt, was für den Patienten in vielen Fällen Lebensgefahr bedeutet.

Harnsteine als Ursache

Eine häufige Ursache für eine gestaute Niere sind so genannte „Harnsteine“. Dabei handelt es sich um krankhafte, feste Mineralien-Gebilde, die durch die „Auskristallisation“ von Substanzen, die normalerweise mit dem Urin ausgeschieden werden („harnpfichtigen Substanzen“), im gesamten Harntrakt entstehen können. Unterschieden wird hier – je nach dem, wo sich die Steine gebildet haben – zwischen Nierensteinen, Harnleitersteinen (bzw. Uretersteinen) und Blasensteinen, zudem können sich in seltenen Fällen auch Steine in der Harnröhre bilden. Der größte Anteil der Steine enthält dabei Calciumoxalat, aber auch Harnsäure kommt häufig als Steinsubstanz vor, darüber hinaus sind aber auch Mischkristalle möglich, zum Beispiel aus Calciumoxalat, Kalziumphosphat, Harnsäure, Struvit, Zystin und Xanthin.

Harnsteine kommen in ganz unterschiedlicher Größe und Form vor und können daher lediglich einige Zentimeter klein sein, aber auch die Größe eines Hühnereis erreichen oder sogar das gesamte Nierenbecken ausfüllen (so genannte „Ausguss-Steine“). Häufig bleiben die Steine aber so klein, dass sie einfach mit dem Urin ausgeschieden werden, ohne dass es der Betroffene merkt, teilweise tritt auch ein stechender Schmerz beim Wasserlassen auf. Schwierig wird es allerdings, wenn die Steine größer werden und sich sich im Nierenbecken oder im Harnleiter verklemmen – meist begleitet von extrem starken Schmerzen (Kolik).

Die Schmerzen treten bei einer solchen „Nierenkolik“ bzw. „Harnleiterkolik“ (Kolik = krampfartige Schmerzen) meist heftig stechend, krampfartig und wellenförmig auf, was dadurch entsteht, dass der Harnleiter durch den Stein gedehnt wird. Die Beschwerden treten dabei in vielen Fällen von den Flanken aus beginnend im Rücken oder Unterbauch auf, können aber auch bis in die Hoden oder Schamlippen ausstrahlen. In einigen Fällen sind die Schmerzen so stark, dass Betroffene mit Übelkeit und Erbrechen reagieren, darüber hinaus kann es zu Blut im Urin (Hämaturie) durch Schleimhaut-Reizungen infolge der gelösten Steine kommen. Da der Nierenstein den Abfluss des Urins verhindert und sich dadurch das Nierenbecken ausdehnt, kann es zudem schneller als sonst zu einer bakteriell verursachten Harnwegsinfektion kommen, die sich in erster Linie durch häufigen Harndrang und ein starkes Brennen beim Wasserlassen äußern. In seltenen Fällen kann ein durch einen Stein verursachter gestörter Harnabfluss auch eine Vereiterung der Niere (Pyonephrose) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) zur Folge haben. Darüber hinaus besteht für Betroffene von Nierensteinen auch ein erhöhtes Risiko für eine chronische Nierenschwäche (Niereninsuffizienz).

Harnsteine können verschiedene Ursachen haben, so zum Beispiel der Säuregehalt des Urins, zu wenig Bewegung, Übergewicht oder bestimmte Erkrankungen (wie zum Beispiel eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen, chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, Diabetes mellitus oder Gicht). Auch die Vererbung scheint hier eine Rolle zu spielen, ebenso wie organische Probleme in Form von Fehlbildungen in den Nieren wie zum Beispiel Narben im Bereich der Harnleiter, durch die es dazu kommen kann, dass die Steine sich nicht von alleine weiterbewegen können. Neben dem treten Steine häufig auf, nachdem Patienten Teile des Dünndarms oder der Gallenblase operativ entnommen werden mussten, ebenso wie bei Tumorerkrankungen und Chemotherapien, da im Zuge dieser häufig vermehrt Harnsäure gebildet wird, welche über die Nieren ausgeschieden wird.

Darüber hinaus spielt bei der Entstehung von Harnsteinen auch die Ernährung und das Trinkverhalten eine zentrale Rolle: Wer wenig trinkt bzw. wenig trinkt oder stark schwitzt, bei dem steigt die Menge an steinbildenden Substanzen wie Kalzium, Oxalat, Phosphat, Harnsäure und Zystin. Dementsprechend fördern auch häufige Durchfallerkrankungen und chronisch entzündliche Darmerkrankungen die Entstehung von Harnsteinen, da dem Körper hier in besonders starkem Maße Flüssigkeit entzogen wird, wodurch die Konzentration lithogener Substanzen ansteigt. Auch bei einer einseitigen bzw. überwiegend aus Milch und Milchprodukten bestehenden Ernährung erhöht sich der Kalziumspiegel im Urin und damit das Risiko für Harnsteine. Darüber hinaus steht eine sehr fetthaltige Ernährung in Verdacht, die Entwicklung von Steinen zu begünstigen, ebenso wie ein dauerhafter übermäßiger Verzehr von stark oxalhaltigen Lebensmittel (beispielsweise Rhabarber, Rote Bete, schwarzer Tee, Erdnüsse, Petersilie, Spinat und Schokolade), da sich die Oxalsäure im Darm mit Calcium zu unlöslichem Kalziumoxalat verbindet, was wiederum zu einer Störung des Kalziumstoffwechsels führen kann.

Nierenstau in der Schwangerschaft

Ein Nierenstau tritt häufig auch in der fortgeschrittenen Schwangerschaft auf. In den meisten Fällen bemerkt die Schwangere die gestaute Niere gar nicht, dennoch kann diese ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Für den Nierenstau während der Schwangerschaft kann es verschiedene Ursachen geben: Zum eine lockert sich durch die hormonelle Veränderung der Harnleiter, wodurch es schneller zu einem Rückfluss des Urins aus der Blase ins Nierenbecken (Reflux) und damit zu einem Nierenstau kommen kann. Ein weiterer Auslöser kann das immer größer werdende Kind sein, welches gegen die Harnleiter drückt und dadurch den Urinabfluss stört.

Megaureter

Eine weitere mögliche Ursache für einen Nierenstau ist ein so genannter „Megaureter“. Dabei handelt es sich um eine ein- oder beidseitige krankhafte Erweiterung der Harnleiter, wodurch der Abfluss des Urins nicht mehr ungehindert funktionieren kann. Im Regelfall wird ein erweiterter Harnleiter ab einem Durchmesser von 10mm oder mehr als Megaureter bezeichnet, außerdem handelt es sich in den meisten Fällen um eine angeborene Erkrankung (primärer Megaureter). Diese kann zum einen von einer angeborenen Engstelle (Stenose) vor dem Eintritt in die Harnblase herrühren, welche vorgeburtlich durch eine Fehl-Entwicklung des Harnleiters entsteht. Ist dies der Fall, steigt der Druck des Urins im Bereich der Verengung, wodurch sich in der Folge der Harnleiter stark ausdehnt (primärer obstruktiver Megaureter, kurz POM). Neben dem kann bei einem angeborenen Megaureter aber auch ein so genannter „vesikoureterorenaler Reflux“ vorliegen, durch den der Urin immer wieder aus der Harnblase in den Harnleiter bzw. die Nieren zurückfließt. Darüber hinaus kann auch eine Gewebsschwäche Ursache für einen Megaureter sein, die dazu führt, dass sich der Harnleiter nicht zusammenziehen kann, dadurch mit Urin aufgefüllt und schließlich gedehnt wird, wodurch sich der Urin bis ins Nierenbecken zurück stauen kann.

Während ein primärer Megaureter angeboren ist, liegen die Ursachen für einen sekundären, erworbenen Megaureter außerhalb des Harnleiters, wobei in vielen auch gar keine klare Ursache ausgemacht werden kann (idiopathischer Megaureter). Als mögliche Auslöser kommen hier dennoch vorangegangene Erkrankungen wie zum Beispiel eine nervlich bedingte Harnblasenstörung oder ein Rückfluss von Harn in Betracht, welcher wiederum häufig durch eine Verengung unterhalb der Blase bedingt ist (sekundärer refluxiver Megaureter).

In vielen Fällen treten bei einem Megaureter gar keine Symptome auf, teilweise kommt es jedoch zu Schmerzen beim Wasserlassen, neben dem kann es in selteneren Fällen auch zu Harnwegsinfektionen mit Fieber kommen. Wird die meist recht stark ausgeprägte Harntransportstörung nicht frühzeitig entdeckt, kann es jedoch im weiteren Verlauf der Erkrankung in schwereren Fällen zu Nierenentzündungen bis hin zu einer Urosepsis oder sogar zu einem akuten Nierenversagen kommen. Diese schweren Krankheitsverläufe sind heutzutage jedoch aufgrund des häufigen Einsatzes von Ultraschalluntersuchungen sehr selten geworden, stattdessen wird der Megaureter meist bereits während der Schwangerschaft oder im Rahmen der anschließenden Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) beim Kind entdeckt und entsprechend behandelt.

Neben dem bestehen noch weitere mögliche Ursachen für einen Nierenstau. Hierzu zählt unter anderem die „Harnleiter-Agenesie“, welche angeboren oder erworben sein kann und bei der entweder ein oder beide Harnleiter fehlen. Auch eine so genannte „Ureter-Duplikatur“ bzw. „Ureter duplex“ kommt als Ursache für eine angestaute Niere in Betracht. Dabei handelt es sich um eine angeborene Anomalie, bei der anstelle des normalerweise einzelnen Harnleiters (Ureters) eine komplette Doppelbildung der oberen Harnwege mit zwei getrennten Nierenbeckenkelchsystemen und zwei separat in die Blase mündenden Harnleitern besteht.

Eine weitere Ursache für eine gestaute Niere kann eine Endometriose sein. Dabei handelt es sich um eine häufig auftretende, gutartige, aber meist mit Schmerzen verbundene chronische Frauenkrankheit, bei der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutterhöhle (zum Beispiel an den Eierstöcken, an der Scheide oder im Darm) wächst. In diesem Fall kann sich eine gestaute Niere beispielsweise dann entwickeln, wenn sich Gebärmutterschleimhaut in ausgeprägter Form am Eierstock bildet, dadurch auf den Harnleiter drückt und schließlich einen Nierenstau verursacht. Obwohl die genauen Ursachen für eine Endometriose noch nicht geklärt sind, bestehen verschiedene Theorien – so zum Beispiel die Idee, dass Zellen der Gebärmutterschleimhaut aus der Gebärmutter über Blutgefäße oder Lymphgefäße weiter durch den Körper transportiert werden und so zum Beispiel theoretisch auch in die Lunge gelangen können. Die Symptomatik der Endometriose hängt unter anderem davon ab, welche Organe betroffen sind, mögliche Anzeichen sind beispielsweise Zyklusstörungen, erschwertes Wasserlassen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) oder Kreuzschmerzen.

Neben dem können auch gutartige und bösartige Tumore sowie Störungen der Nervenversorgung (beispielsweise bei Rückenmarkserkrankungen oder Diabetes mellitus) den Urinabfluss stören und dadurch zu einer gestauten Niere führen.

Behandlung bei Stauung der Niere

Lieht ein Harnsteinleiden vor, so wird im akuten Kolik-Fall mit krampfartig auftretenden massiven Schmerzen normalerweise ein krampflösendes Medikament in Kombination mit einem Schmerzmittel gegeben. Bei kleineren Steinen (Steine unter 6 mm) bzw. bei noch nicht vollständig aussetzendem Urinabfluss wird im Regelfall erst einmal abgewartet, ob sich der Stein auf natürlichem Wege löst und ausgeschieden wird. Unterstützend können hier Maßnahmen wie viel Bewegung, Seilspringen, eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr oder Wärmeanwendungen wirken, zudem sollte der Urin bei jedem Wasserlassen aufgefangen werden, um den Stein nach seinem Abgang auf seine Bestandteile hin untersuchen zu können. Dies ist deshalb besonders wichtig, da sich die weiteren Behandlungsschritte sowie die Vorbeuge-Maßnahmen im Anschluss genau daran orientieren. Löst sich der Stein nicht von alleine, besteht die Möglichkeit, diesen mittels einer Stoßwellentherapie („Extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie“) zu behandeln. Dabei werden Stoßwellen von außen so auf den jeweiligen Stein gerichtet, dass dieser in kleinste Stücke „zertrümmert“ wird und dadurch von selbst mit dem Urin abgehen kann.

Führt auch diese Maßnahme nicht zum Erfolg, besteht eine weitere Behandlungsmöglichkeit in der so genannten „Ureterorendoskopie“ (URS). Bei dieser wird ein spezielles Endoskop durch die Harnröhre eingeführt, welches dann bis zum Stein im Harnleiter vorgeschoben und anschließend mit dem Stein gemeinsam wieder entfernt wird. Da dieser Eingriff normalerweise recht schmerzhaft ist, wird er entweder in Vollnarkose oder in Spinalanästhesie durchgeführt – Komplikationen treten bei der Ureterorenoskopie hingegen nur sehr selten auf. Eine weitere Behandlungsoption stellt die „Perkutane Nephrolitholapaxie“ (PNL) dar: Bei dieser wird mit Hilfe einer Punktionsnadel von der Körperaußenseite aus ein dünner Kanal bis zur Niere angelegt, durch den im Anschluss ein optisches Instrument eingeführt wird mit dem der Arzt dann die Steine zertrümmern und entfernen kann. In den meisten Fällen wird zudem für einige Tage ein Katheter bzw. eine Harnleiterschiene gelegt, um den Harnleiter zu weiten und offen zu halten und dadurch den Abgang weiterer Steinteilchen zu begünstigen.

Harnstein mit Endoskop und Laser zertrŸmmern [Abdruck nur mit Honorar, Namensnennung und Belegexemplar Henning Riediger Tannenhof 117c 22397 Hamburg Tel. 040/6080742 E-Mail: henning.riediger@t-online.de Steuer-Nr. 50/198/00549 USt.-IdNr: DE 118420134 Bankverbindung: Hamburger Sparkasse BLZ 200 505 50 Konto-Nr. 1299/475663 IBAN DE 27 2005 0550 1299 475663 BIC HASPDEHH]
Harnsteine könnenn mit Hilfe eines Endoskops entfernt werden. Henrie/fotolia.com

Nach erfolgreicher Behandlung des Harnsteins steht die Prophylaxe im Mittelpunkt, denn sofern bereits mehrmals Steine aufgetreten sind, besteht ein stark erhöhtes Risiko für weitere Steine. Daher ist es wichtig, konsequent entsprechende Vorbeuge-Maßnahmen einzuhalten. Hierzu gehört vor allem, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Wasser, ungesüßter Tee) von mindestens 2,5 Litern täglich zu achten, um eine regelmäßige Ausscheidung des Urins und damit auch von harnpflichtigen Substanzen zu gewährleisten. Dafür sollten Betroffene ihren Urin regelmäßig mit Teststreifen selbst bzw. diesen durch einen Arzt kontrollieren lassen und dem Ergebnis entsprechend ihre Ess- und Trinkgewohnheiten anpassen. Je nach Steinzusammensetzung sollten demnach bestimmte Ernährungsumstellungen durchgeführt werden – beispielsweise sollten Personen, die zur Bildung von Kalziumoxalatsteinen tendieren vor allem einen übermäßigen Verzehr oxalatreicher Nahrungsmittel (zum Beispiel Rhabarber, Schokolade, Nüsse, Spinat) vermeiden. Die Prävention von Harnsäure-Steinen besteht hingegen in einer Reduktion von rotem Fleisch und Salz, zudem sollte in allen Fällen auf ausreichende Bewegung und den Abbau von Übergewicht geachtet werden.

Behandlung bei einem Megaureter

Im Falle eines Megaureters erfolgt die Therapie in Abhängigkeit von der Ursache für die Harnleitererweiterung. Besteht im Falle eines sekundären Megaureters eine andere Erkrankung, wird zunächst diese behandelt – in den meisten Fällen verschwindet im Zuge dessen auch der Megaureter. Bei den meisten betroffenen Kindern kommt es im Rahmen des Längenwachstums – welches im ersten Jahr am ausgeprägtesten ist – zu einer Streckung des Harnleiters und damit zu einem Rückgang der Ausdehnung. Besteht der Megaureter aufgrund eines Rückflusses (Reflux) von Urin aus der Blase, ist meist ebenso eine konservative Behandlung ohne operativen Eingriff ausreichend, das gleiche gilt normalerweise für den Megaureter ohne feststellbare Ursache (idiopathischer Megaureter). Ergeben sich jedoch durch die Untersuchungen ein Verschluss des Harnleiters oder eine eingeschränkte Nierenfunktion, so ist normalerweise ein operativer Eingriff angezeigt. Hier wird typischerweise die Neu-Einpflanzung des Harnleiters angewendet, wobei dieses Verfahren erst bei Kindern nach dem ersten Geburtstag durchgeführt wird – außer wenn sich die Nierenfunktionen bereits vorher schon deutlich verschlechtert haben oder fiebrige Harnwegsinfekte auftreten. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Megaureter von selbst „verwächst“ oder aber die Operation stattfindet, benötigen die keinen Patienten Antibiotika zur Infektionsprophylaxe. In vielen Fällen bleibt die Harnleitererweiterung auch nach dem operativen Eingriff bestehen, sodass zur Prüfung des Heilungserfolges unter Umständen weitere urologische Untersuchungen der Harnblase und der Harnröhre (Miktionszystourethrographie) sowie in selteneren Fällen eine erneute Operation notwendig werden können.

Behandlungsoptionen bei Nierenstau

Liegt eine Harnstauungsniere (Hydronephrose bzw. Wassersackniere) vor, richtet sich die genaue Therapie nach der gefundenen Ursache. Ziel der Behandlung ist in jedem Fall die Beseitigung der Verengung der ableitenden Harnwege, sodass ein normaler Durchfluss des Urins von Nieren zur Blase wieder möglich ist. Das genaue Vorgehen hängt dabei von den Ursachen der Hydronephrose ab – bei Säuglingen wird in vielen Fällen sogar gar nicht behandelt, stattdessen finden jedoch regelmäßige ärztliche Kontrollen statt. Allerdings werden aufgrund des erhöhten Risikos für eine Harnwegsinfektion vielfach Antibiotika verschrieben. Damit der aufgestaute Urin erst einmal abfließen kann, kommt meist zunächst ein Katheter zum Einsatz, der entweder in die Harnwege oder durch die Haut in das Nierenbecken (perkutane Nephrostomie) eingebracht wird. Da für eine erfolgreiche Behandlung der störungsfreie Abfluss des Urins wieder hergestellt werden muss, erfolgt im nächsten Schritt normalerweise entweder eine endoskopische oder operative Beseitigung des Hindernisses – wobei es hier je nach Ursache bzw. Form der Hydronephrose wiederum eine ganze Reihe von Verfahren gibt. Liegt eine Subpelvine Stenose bzw. Verengung am Abgang des Harnleiters aus der Niere vor, besteht beispielsweise die Möglichkeit einer Operation nach „Anderson-Hynes“, bei welcher die Engstelle entfernt wird. Dabei handelt es sich um einen Routineeingriff, der mit einer Erfolgsquote von über 95% offen oder minimalinvasiv durchgeführt werden kann.

Wurde die Verengung durch einen ungünstig verlaufenden Harnleiter ausgelöst, kann dieser operativ verlagert werden. In manchen Fällen ist auch eine künstliche Ableitung des Urins durch die Haut (Urostoma) notwendig, insbesondere dann wenn die Funktion des harnableitenden Systems nicht mehr richtig hergestellt werden kann oder die Harnblase entfernt werden muss. Auch hier gibt es verschiedene operative Techniken, ein Beispiel ist die „Harnleiter-Hautableitung“, bei welcher beide Harnleiter – je nach Erkrankung – entweder einzeln oder miteinander verbunden durch die Bauchdecke nach außen geleitet werden. In vielen Fällen wird im Anschluss an die Öffnung der Harnwege ein Stent (bzw. Doppel-J-Katheter oder Harnleiterschiene) für einige Tage oder Wochen im Harnleiter belassen, um den Abfluss des Urins aufrechtzuerhalten. Sind die Nieren so stark geschädigt, dass die Funktionen insgesamt nicht mehr ausreichend erfüllt werden können, bekommen Betroffene in regelmäßigen Abständen eine Dialyse bzw. „Blutwäsche“, bei der mittels eines Dialysators das Blut von Stoffwechselprodukten und Wasser „gereinigt“ wird. In schwereren Fällen besteht zudem die Möglichkeit einer Nierentransplantation.

Therapie Nierenstau in der Schwangerschaft

Tritt ein Nierenstau während der Schwangerschaft auf, muss die Behandlung so früh wie möglich erfolgen, um eine Infektion zu verhindern, die für das Baby unter Umständen sehr gefährlich werden kann. Die häufigste Komplikation besteht hier in einer Frühgeburt infolge eines durch den Infekt geschwächten Muttermundes. Besteht eine Infektion, werden daher normalerweise Antibiotika eingesetzt, die für das ungeborene Kind normalerweise ungefährlich sind. Bei einem ausgeprägten Nierenstau aufgrund einer Verengung im Bereich der Harnleiter kann zudem eine Harnleiterschiene notwendig werden, um den Harnabfluss zu gewährleisten und dadurch die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. Generell sollte darauf geachtet werden, immer viel zu trinken und regelmäßig zur Toilette zu gehen, damit sich der Urin gar nicht erst aufstauen kann.

Naturheilkunde bei Nierenstau

Auch wenn eine gestaute Niere zunächst dringend eine medizinische Untersuchung bzw. Versorgung erfordert, um den Urinabfluss zu „entstören“, bietet auch die Naturheilkunde eine Reihe unterstützender Verfahren, durch welche Schmerzen und Beschwerden gelindert werden können. Im Bereich der Homöopathie findet sich hier insbesondere das Mittel „Berberis vulgaris“ welches bei zahlreichen Beschwerden der Verdauung und der Ausscheidungsorgane eingesetzt wird, die in den meisten Fällen mit stechenden oder kolikartigen sowie in alle Richtungen ausstrahlenden Schmerzen einhergehen. Neben dem hilft Matricaria chamomilla bzw. „echte Kamille“ generell bei Nierenschmerzen, bei Harnsteinen kann zudem Lycopodium eine gute Unterstützung bieten.

Ist der Nierenstau die Folge von Harnsteinen, so bieten sich hier auch Schüssler-Salze an. In Frage kommt hier zum einen das Salz Nr. 9. (Natrium Phosphoricum), welches auch als „das Salz des Stoffwechsels“ bekannt ist. Dieses unterstützt die Umwandlung von Harnsäure in Harnstoff, wodurch die Ausscheidung erleichtert und der Steinbildung in Niere und Blase entgegengewirkt werden kann. Zum anderen eignet sich das Salz Nr. 16 (Lithium chloratum), welches die Ausscheidung von Harnsäure und Harnstoff fördert. Welches Mittel im individuellen Fall „das Richtige“ ist, sollte mit einem Heilpraktiker bzw. Arzt oder Apotheker abgesprochen werden, hier kann dann auch überlegt werden, ob nur eins oder eventuell beide Salze gleichzeitig eingenommen werden. Eingenommen werden die Schüssler Salze normalerweise drei bis sechs mal täglich in Form von je einer bis drei Tabletten (Kinder nach Absprache mit dem Arzt drei bis sechs mal täglich eine halbe bis maximal zwei Tabletten entsprechend Alter und Größe), die jeweils einzeln genommen und langsam im Mund zerlassen werden.

Neben den Schüssler Salzen kann auch das bewährte Hausmittel Apfelessig sinnvoll bei einem Steinleiden eingesetzt werden, da es in unserem Stoffwechsel trotz des sauren Geschmacks eher basisch wirkt und dadurch hilft Steine im Zuge der Verdauung besser aufzuspalten. Hier gibt es verschiedene Methoden, den Essig anzuwenden – so zum Beispiel in Form eines „Apfel-Essig-Cocktails“, für den 2 Esslöffel naturtrüber Apfel-Essig mit etwas Akazienhonig vermischt und anschließend mit stillem Mineralwasser aufgegossen wird.

Darüber hinaus bietet auch die Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) verschiedene Ansätze zur Behandlung von Harnsteinen. So kann ein Teeaufguss von Löwenzahnwurzeln oder auch echtem Labkraut als Unterstützung beim Abtransport der Steinteilchen über die Blase dienen, Birkenblättern, Bärentraubenblättern und Brennnesselkraut wird ebenso ein positiv unterstützender Effekt auf die Ausschwemmung der Steine nachgesagt. Neben dem wirkt der so genannte „Orthosiphon“ (auch „Katzenbart“) entzündungshemmend und entkrampfend auf die ableitenden Harngefäße und kann im Falle eines akuten Steinabgangs bzw. einer Kolik die Schmerzen lindern.

Generell sollten gerade bei Steinen die individuellen Ernährungsgewohnheiten kritisch überprüft und gegebenenfalls geändert werden, denn ohne entsprechende Änderungen lässt sich ein Steinleiden nicht in den Griff bekommen. Dementsprechend sollte je nach dem, welche Form von Stein vorliegt, bei calciumhaltigen Steinen auf Milchprodukte, bei Harnsäuresteinen auf purinreiche Nahrungsmittel (Innereien, Leber- und Blutwurst) und bei Oxalatsteinen auf extrem oxalsäurereiche Lebensmittel wie zum Beispiel Spinat, Rhabarber, Erdnüsse, Schokolade und Tee verzichtet werden. Besonders wichtig ist dabei auch die Flüssigkeitszufuhr, denn nur wenn der Harn ausreichend verdünnt wird, kann einem erneuten Auftreten von Steinen wirksam vorgebeugt werden. Daher sollten Betroffene mindestens 2,5 Liter über den Tag verteilt trinken, hier eignen sich insbesondere Getränke, die den Harn-pH-Wert nicht beeinflussen – dazu zählen Nieren-, Früchte- und Kräutertees, Apfel- oder Traubensaft sowie kalzium- und hydrogencarbonatarme Mineralwasser. Limonaden mit hohem Zuckergehalt sowie alkoholische Getränke sind hingegen ungeeignet, auch wer viel Kaffee oder schwarzen Tee trinkt, sollte vorsorglich jeweils ein Glas Wasser parallel trinken. (nr)

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