Herzstiche – Herzstechen: Ursachen, Symptome und Behandlung

herzstiche
Fabian Peters
Herzstiche sind ein äußerst unangenehmes Beschwerdebild, das viele Betroffene an einen Herzinfarkt denken lässt und entsprechende Todesangst mit sich bringt. Oftmals handelt es sich bei den Herzstichen jedoch um ein anderweitig begründetes Stechen in der Brust. Zum Beispiel können Verspannungen der Muskulatur, Zwerchfellkrämpfe, Speiseröhrenerkrankungen oder auch Magenschleimhautentzündungen hinter den vermeintlichen Herzschmerzen stecken. Halten die Herzstiche über einen längeren Zeitraum an und werden sie von ausstrahlenden Schmerzen in den Armen, im Oberbauch oder Rücken begleitet, sollte jedoch in jedem Fall ein Notarzt kontaktiert werden, da schlimmstenfalls ein Herzinfarkt Auslöser der Beschwerden sein kann.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Symptomatik
Ursachen der Herzstiche
Herzkrankheiten
Weitere Ursachen des Herzstechens
Diagnosestellung
Behandlung

Definition

Als Herzstiche sind heftige stechende Schmerzen im Brustkorbbereich zu verstehen. Im engeren Sinne bezieht sich die Bezeichnung ausschließlich auf Schmerzen in der unmittelbaren Herzregion, also auf Höhe der zweiten bis fünften Rippe direkt hinter dem Brustbein. Allerdings können die Betroffenen ihre Beschwerden oftmals nicht derart präzise eingrenzen, weshalb der Begriffe Herzstiche umgangssprachlich für ein relativ breites Spektrum der Schmerzen im Brustkorb verwendet wird.

Symptomatik

Herzstechen tritt meist ebenso plötzlich auf, wie es wieder verschwindet. Die Betroffenen empfinden dabei starke Schmerzen, die oftmals bereits nach wenigen Sekunden wieder nachlassen. Haltherzsticheen die Herzstiche längere Zeit (über mehrere Minuten) an, ist dies als möglicher Hinweis auf eine ernstere Grunderkrankung zu bewerten. Auch hier muss allerdings nicht zwangsweise ein Herzinfarkt hinter den Beschwerden stecken. Sind die Herzstiche regelmäßig unter körperlicher Belastungen zu beobachten, liegt jedoch der Verdacht auf eine Herzkrankheit nahe. Allgemein liefern die Begleitsymptome, welche anschließend jeweils im Zusammenhang mit den Auslösern der Herzstiche eingehender dargestellt werden, wichtige Anhaltspunkte auf die ursächlichen Grunderkrankungen.

Herzkrankheiten
Übersicht der möglichen Herzerkrankungen. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Ursachen der Herzstiche

Zahlreiche unterschiedliche Ursachen kommen als Auslöser der Herzstiche in Betracht. Das Spektrum reicht dabei von eher harmlosen Muskelverspannungen und Zwerchfellkrämpfen über Erkrankungen der Speiseröhre und Störungen der Lungenfunktion bis hin zu potentiell lebensbedrohlichen Beeinträchtigungen der Herzfunktion.

Herzkrankheiten

Automatisch denken die meisten Betroffenen bei Herzstechen an eine Herzkrankheit. Nicht ohne Grund, denn zahlreiche Herzkrankheiten werden von einem Stechen im Brustkorb begleitet. Hier sind zum Beispiel die Koronare Herzkrankheit (meist bedingt durch Arterienverkalkung), Entzündungen des Herzbeutels (Perikarditis), der Herzinnenhaut (Endokarditis) und des Herzmuskels (Myokarditis) zu nennen. Auch Herzklappenfehler und Aneurysmen (Arterienerweiterungen) rufen unter Umständen ein massives Herzstechen hervor. Gleiches gilt für eine allgemeine Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Begleitet werden die Herzstiche bei den Herzkrankheiten oftmals von einem extremen Engegefühl im Brustkorb (Angina pectoris); Herzstolpern beziehungsweise Herzrhythmusstörungen und Herzrasen. Halten die Herzschmerzen länger als 20 Minuten an und werden sie von ausstrahlenden Schmerzen in den Armen, Schulterblattschmerzen, Bauchschmerzen oder Rückenschmerzen sowie Übelkeit, Atemnot und Schweißschüben begleitet, kann dies auf einen Herzinfarkt hinweisen und es sollte umgehend ein Notarzt alarmiert werden.

Herzstiche und weitere Herzbeschwerden können auch ohne feststellbare körperliche Ursache auftreten. Funktionelle Herzbeschwerden lautet in diesem Fall der Fachbegriff. Diese sind zum Beispiel im Rahmen einer sogenannten Herzneurose (Cardiophobie) zu beobachten, bei der allein die Angst vor einer lebensgefährlichen Herzerkrankung oder einem Herzinfarkt zu funktionellen Störungen des Herz-Kreislauf- und Atemsystems führt, was wiederum Schmerzen im Brustkorb mit sich bringen kann.

Weitere Ursachen des Herzstechens

Unmittelbar hinter dem Herz liegt die Speiseröhre. Ist diese entzündet (Ösophagitis), leiden die Patienten an einem sogenannten Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre) oder an einer Achalasie (Bewegungsstörungen der Speiseröhre), können Schmerzen auftreten, die von den Betroffenen dem Herz zugeordnet werden. Gleiches gilt in begrenztem Maße für Magenschleimhautentzündungen.

Auch sind Verspannungen der Muskulatur im Brustkorbbereich als mögliche Ursache für Brustschmerzen zu nennen, welche ihrerseits von vielen Betroffenen als Herzstiche interpretiert werden. Das sogenannte Tietze-Syndrom beschreibt eine schmerzhafte Schwellung des Brustbeinansatzes der Rippen. Die Schmerzen lassen sich in diesem Fall durch Druck auf die Schwellung auslösen und sind relativ leicht gegenüber den tatsächlichen Herzstichen abgrenzbar, da äußerlich eine Schwellung und Rötung sichtbar wird. Als weitere mögliche Ursache für Schmerzen im Brustkorbbereich, die als Herzstechen wahrgenommen werden, sind Lungenembolien und Störungen der Atemregulation (zum Beispiel Hyperventilation) zu nennen. Darüber hinaus können stechende Schmerzen im Brustbereich als Symptom der sogenannten Interkostalneuralgie auftreten. Diese Nervenschmerzen entlang der Zwischenrippennerven nehmen in der Regel beim Husten oder Lachen zu und sind meist auf eine Erkrankung der Lunge, des Rippenfells, der Rippen oder der Wirbelsäule zurückzuführen.

Diagnosestellung

In der Regel lassen sich die tatsächlichen Herzstiche im Zuge einer ärztliche Untersuchung relativ schnell gegenüber anderen Formen der Brustschmerzen abgrenzen. Pulsmessungen, Blutdruckmessungen, ein Abhorchen des Brustkorbes und ein bei Verdacht auf Herzinfarkt umgehend eingeleitetes Elektrokardiogramm (EKG) können Aufschluss über möglicherweise vorliegende ernstere Erkrankungen des Herzens liefern. Obwohl sich bei einem Herzinfarkt im EKG oftmals bereits deutliche Veränderungen der Herzfunktion feststellen lassen, ist hier zur sicheren Diagnose im Zweifelsfall eine Blutuntersuchung erforderlich, die allerdings erst einige Stunden nach dem tatsächlichen Ereignis durchgeführt werden kann. Eine sogenannte Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) kann bei Herzbeschwerden ebenfalls wichtige Anhaltspunkte zur Diagnosestellung liefern und dient in der Notfallmedizin bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oftmals zur Bewertung des Risikos, bis ein eindeutiger Befund vorliegt.

Das Abhorchen des Brustkorbes ermöglicht häufig auch Rückschlüsse auf vorliegende Erkrankungen der Atemwege. Ergibt sich der Verdacht auf eine Lungenembolie, sind weitere Untersuchungen mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie) vorgesehen.Konnten Erkrankungen des Herzens und der Lunge im Zuge der Diagnosestellung ausgeschlossen werden, erfolgt anschließend oftmals eine Speiseröhren- beziehungsweise Magenspiegelung, um mögliche Ursachen in diesem Bereich zu überprüfen.

Behandlung

Eine umgehend eingeleitete medizinische Versorgung der Herzstiche ist insbesondere bei Verdacht auf einen Herzinfarkt dringend geboten. Je schneller Behandlungsschritte wie die sogenannte Lysetherapie, die PTCA (Perkutane Transluminale Koronarangioplastie) oder eine gegebenenfalls erforderliche Herzoperation eingeleitet werden, desto höher die Überlebenschancen der Patienten. Als Arzneimittel kommen bei einem Herzinfarkt zum Beispiel sogenannte Nitroglycerin-Sprays und Morphinpräparaten (zur Schmerzlinderung) zum Einsatz. Darüber hinaus kann ein breites Spektrum verschiedener Medikamente, die zum Beispiel zur Beruhigung beitragen, den Blutfluss erleichterten und die Schmerzen beheben sollen, abhängig von dem individuellen Beschwerdebild der Herzinfarkt-Patienten Anwendung finden.

Bei einer Lungenembolie bedarf es ebenfalls einer umgehend eingeleiteten medizinischen Versorgung der Patienten. Gegen den zugrundeliegenden Verschluss der Blutgefäße (Thrombus) wird mit Hilfe der Lysetherapie vorgegangen, es kann jedoch auch eine mechanische Zertrümmerung oder operative Beseitigung des Thrombus erfolgen. Die Anschlusstherapie sieht unter anderem eine medikamentöse Behandlung mit Arzneien zur Hemmung der Blutgerinnung vor, um das erneute Auftreten eines Thrombus zu verhindern.

Speiseröhrenentzündungen und Magenschleimhautentzündungen werden auf medikamentösem Wege meist mit sogenannten Säurehemmern (Antazida) behandelt, wobei gleichzeitig eine Umstellung der Ernährung und der Verzicht auf reizende Substanzen vorgesehen sind. Darüber hinaus erfolgt bei den Magenschleimhautentzündungen eine Behandlung der eigentlichen Ursache dieser Entzündung. Beispielsweise kann gegen bakteriell bedingte Magenschleimhautentzündung in der Regel erfolgreich mit Antibiotika vorgegangen werden. Speiseröhrenentzündungen lassen sich meist durch die Kombination aus medikamentöser Behandlung und Ernährungsumstellung bereits vollständig beheben, doch kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen, die einen (minimal-invasiven) operativen Eingriff erforderlich machen.

Sind Verspannungen der Muskulatur Ursache der Beschwerden bieten Massagen, Krankengymnastik, Akupunktur und die Osteopathie effiziente Therapieansätze, die in den meisten Fällen eine Linderung beziehungsweise ein Abklingen der Symptome bewirken können. Bei psychisch bedingten Herzbeschwerden wie zum Beispiel einer Herzneurose, sind psychotherapeutische Maßnahmen in Betracht zu ziehen, die den Betroffenen ihre Angst nehmen und damit den selbstverstärkenden Effekt der Cardiophobie unterbinden sollen. Auch das Erlernen von Entspannungstechniken (zum Beispiel Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation) kann hier hilfreich sein.

Letztendlich lassen sich die meisten Ursachen der Herzstiche erfolgreich therapieren und die Beschwerden stellen kein herausragendes Gesundheitsrisiko dar, allerdings ist eine erhöhte Sensibilität aufgrund des möglichen Zusammenhangs mit einer Lungenembolie oder einem Herzinfarkt durchaus angebracht. (fp)

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Bild1: Gerd Altmann, Pixelio