Natürliche Darmreinigung: Anleitung und Hausmittel

Fabian Peters

Reinigung des Darms

Darmreinigung ? – Klingt wie „Rohrputz“ und ist auch so ähnlich. Nur sind hierfür die „Putzmittel“ in der Regel sanft und natürlich. In unserem Darm sitzt ein Großteil unseres Immunsystems. Ist dieser Ort nicht ganz in Ordnung, kann die Abwehr nicht richtig funktionieren. Viele Krankheiten entstehen, wenn die Darmflora gestört ist. Ständig wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen, Erkältungen, Halsschmerzen, Blähungen, Verdauungsstörungen, aber auch Allergien, Migräne und Vieles mehr sind die Folge. Ein „geschädigter“ Darm kann sich aber auch über einige Zeit hinweg ganz symptomlos verhalten.

Die Darmflora

Die Darmflora ist ein Zusammenleben verschiedenster Bakterien. Diese wohnen dort und besiedeln damit eine Oberfläche, die ausgebreitet, mindestens so groß wie ein Tennisplatz ist. Die ansässigen Mikroorganismen leben in „Frieden“ zusammen und stellen die Grenze zwischen Darm und Außenwelt dar. Diese Kleinstlebewesen arbeiten ständig, haben einen regen Stoffwechsel, verbrauchen Substanzen, stellen aber auch ständig neue her. Vor allem im Dickdarm findet mengenmäßig die größte Besiedelung statt. Die Aufgaben der Darmflora sind: Schutz vor pathogenen Keimen, Abbau von Ballaststoffen, Versorgung und Ernährung der Darmschleimhautzellen und Produktion von Vitaminen. Ist das Gleichgewicht der Bakterien im Darm gestört, können Krankheiten entstehen. Antibiotikagaben, eindringende Keime, ungesunde Ernährung – all dies kann die Darmflora schädigen.

Eine Reinigung des Darms kann zum Beispiel mit Hilfe unterschiedlicher Darmspülungen erfolgen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Eine Reinigung des Darms kann zum Beispiel mit Hilfe unterschiedlicher Darmspülungen erfolgen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Aufgaben des Darms

Die Griechen waren bereits der Meinung, dass viele Krankheiten im Darm beginnen. Dieses Wissen geriet über viele Jahre hinweg in Vergessenheit, bis erkannt wurde, dass der Darm nicht nur für den Transport des Speisebreis gebraucht wird, sondern die während des Verdauungsvorgangs entzogenen Nährstoffe wichtig für das Überleben sind. Später kam dann noch das Wissen um den Stellenwert einer gesunden Darmflora hinzu. Dabei wurde klar, dass circa siebzig bis achtzig Prozent des Immunsystems ihre Basis im Darm haben und die Abwehrkräfte somit von einer intakten Darmflora abhängen. Durch häufige Antibiotikagaben und ballaststoffarme, saure Nahrung wird einer Abwehrschwäche Tür und Tor geöffnet.

Im Darm sitzt eine große Anzahl an lymphatischem Gewebe, das für die Abwehr wichtig ist. Hinzu kommen noch Abwehrzellen, die selbst für die Produktion von Antikörpern zuständig sind. Diese Immunpolizei breitet sich über die Lymphe, aber auch über die Blutbahn, im ganzen Körper aus und kann dort zur Abwehr beitragen.

Darmsanierung

Um eine gestörte Darmflora wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen, ist eine Darmsanierung nötig. Diese besteht in der Regel aus einer Darmreinigung und einem Wiederaufbau der Darmflora. Das bedeutet, dass zuerst der Darm von Schlacken und Kotresten gereinigt wird. Dadurch wird die Darmschleimhaut wieder aufnahmefähig für die nützlichen Darmbakterien, die im Anschluss daran im Rahmen eines Darmfloraaufbaus zugeführt werden.

Bei einer Ernährung, die reich an tierischem Eiweiß ist, entsteht klebriger Speisebrei, der schwer verdaulich ist und sich in den Darmwänden festsetzen kann. Hier lagern sich dann eventuell pathogene Keime und Parasiten an, was kurz über lang zu Beschwerden führt. Wird bei einer Darmsanierung auf die Darmreinigung verzichtet, bringt dies meist nur eine kurze, vorübergehende Erleichterung. Die Darmschleimhaut kann aufgrund der Verschlackung die verordneten „gesunden“ Darmbakterien, Vitamine und/oder Kräuter gar nicht aufnehmen. Auch würde eine Nahrungsumstellung ohne Darmreinigung keinen wirklichen Erfolg bringen.

Gründe für eine Darmreinigung

Bei den verschiedensten Beschwerden und Erkrankungen kann eine Darmreinigung helfen. Dazu gehören Akne, Allergien, chronische Verdauungsstörungen, wiederkehrende Infekte, ständige Müdigkeit, Erschöpfung, rheumatische Beschwerden, Migräne, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Übergewicht und Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Colon-Hydro-Therapie

Die Colon-Hydro-Therapie ist eine Darmreinigungstherapie in der Naturheilpraxis. Sie ist einem Einlauf ähnlich. Hierbei wird warmes Wasser in den Dickdarm gebracht. Nur muss der Betroffene keine Toilette aufsuchen. Der Darminhalt wird durch einen Abflussschlauch während der Behandlung direkt wieder abgeleitet. Zu der Therapie, meist durchgeführt von einem Heilpraktiker, gehört eine sanfte Bauchmassage, wodurch das Wasser in die belasteten Zonen gelenkt wird. Der Darm wird durchspült und alte Kotreste entfernt. Um Beschwerden zu behandeln, sind bis zu zwanzig Sitzungen nötig. Angewandt wird diese Therapie zur Darmreinigung bei Verdauungsstörungen, wie Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Reizdarm, aber auch bei Infektanfälligkeit, Allergien und regelmäßigen Kopfschmerzen.

Der Einlauf

Der Einlauf ist eine weitere Möglichkeit den Darm von Schlacken und Kotresten zu befreien. Dies geschieht mit Hilfe von Flüssigkeiten, die in den Darm über ein Plastikrohr eingebracht werden. Meist wird dafür reines, lauwarmes Wasser verwendet. Durch die Flüssigkeit wird ein starker Stuhldrang ausgelöst, der recht schnell zu einer Entleerung führt. Leider wird damit nur ein Teil des Darmes gereinigt. Wer eine komplette Darmreinigung möchte, sollte zu anderen Methoden greifen, bei denen zum Beispiel durch die Einnahme verschiedener Kräuter der Verdauungstrakt von oben nach unten gesäubert wird. Ein Einlauf wird im Krankenhaus vor Operationen oder auch vor einer Geburt angewandt. Aber auch zuhause ist dies möglich.

Fasten

Das Fasten entschlackt und reinigt den gesamten Körper, so auch den Darm. Dafür existieren verschiedene Fastenmethoden. Bei den Meisten wird auf feste Nahrung komplett verzichtet. Dabei erholt sich der Darm, er darf zur Ruhe kommen und die angelagerten Schlacken werden durch bestimmte Getränke oder auch angewandte Einläufe gelöst. In der Regel beginnt eine Fastenkur mit der Darmreinigung durch einen Einlauf oder das Trinken einer Salzlösung.

Bei dem sogenannten Olivenölfasten wird nur Wasser, Orangensaft und etwas Olivenöl getrunken. Der Verschlackung wird ein Ende bereitet und der Darm wird gereinigt. Ähnlich wirkt das Saftfasten mit Heilerde oder Zeolith und Flohsamen. Diese „harten“ Kuren sollten jedoch nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker erfolgen.

Flohsamen bilden ein bewährtes Hilfsmittel bei der Darmreinigung. (Bild: stefan_weis/fotolia.com)
Flohsamen bilden ein bewährtes Hilfsmittel bei der Darmreinigung. (Bild: stefan_weis/fotolia.com)

Flohsamen

Flohsamen gehören zu den Quellstoffen. Die darin enthaltenen Schleimstoffe können eine enorme Menge an Wasser aufnehmen. Dadurch vergrößert sich das Stuhlvolumen, der Darm wird angeregt und Giftstoffe werden gebunden. Wichtig ist jedoch, dass zur Einnahme von Flohsamen unbedingt genügend stilles Wasser getrunken werden muss. Auch fördern die Samen das Wachstum der gesunden Darmbakterien, was sich wiederum positiv auf die Darmflora auswirkt. Wenn sich der Darm zu selten und/ungenügend entleert, agern sich Schlacken und Reste von Stoffwechselendprodukten an. Diese belasten die Darmschleimhaut, wodurch sich ein sogenanntes Leaky Gut Syndrom (löchriger Darm) entwickeln kann. Deshalb ist eine regelmäßige Darmreinigung wichtig. Mit Flohsamen geschieht dies ganz sanft – eine Methode die dauerhaft durchgeführt werden kann. Patienten, bei denen Divertikel (Aussackungen der Wand eines Hohlorgans, hier: im Darm) festgestellt werden, wird oft die regelmäßige Einnahme von Flohsamen empfohlen, damit sich in den Nischen des Darms keine Kotreste ansammeln können.

Heilerde

Heilerde ist ein ganz einfaches und kostengünstiges Hausmittel, jedoch reich an Wirkung. Die Heilerde bindet Giftstoffe, Stoffwechselprodukte und schädliche Darmbakterien. Sie entgiftet somit den Darm. Mittlerweile ist eine ganz besonders feine Heilerde auf dem Markt, die vor allem für die Darmreinigung geeignet ist. Und das geschieht wie bei einem Schwamm – die schädlichen Substanzen werden aufgenommen und auf natürliche Art und Weise ausgeschieden. Diese Heilerde kann über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden. Am besten ist eine dreiwöchige Kur mit einer anschließenden kurzen Pause. Bei einer Anwendung über mehrere Wochen hinweg sollte jedoch unbedingt der behandelnde Arzt oder Heilpraktiker vorher konsultiert werden. Wer das Pulver nicht so gerne mag, kann sich ein Heilerde Granulat besorgen. Werden Medikamente eingenommen, so ist zur Heilerde Einnahme stets ein zeitlicher Abstand von zwei Stunden einzuhalten.

Zeolith

Zeolith ist ein Vulkanmineral. Der Name setzt sich aus Zeo (griech. = sieden) und lith (griech = Stein) zusammen. Zeolith wirkt wie ein Schwamm, der selbst nicht verstoffwechselt wird, sondern Gifte und Verdauungsgase aufnimmt und diese auf natürlichem Wege ausschleußt. Damit werden vor allem Leber und Niere entlastet. Eine Darmreinigung mit Zeoltih ist sanft, aber effektiv. Bereits die Römer wussten um die Wirkung des Vullkangesteins. Sie streuten das Pulver auf offene Wunden der Soldaten. Auch heute können damit kleinere Wunden geheilt werden.

Kräuter

Für eine effektive Darmreinigung werden meist Kräuter zusammen mit Flohsamen und/oder Heilerde verordnet. Die verschiedensten Präparate sind auf dem Markt, teilweise enthalten diese zusätzlich noch einige probiotischen Mikroorganismen wie Bifidobacterium bifidum, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei – nur um ein paar Beispiele zu nennen. Kräuter und Pflanzenextrakte, die für die Darmreinigung verwendet werden, sind zum Beispiel Anis, Basilikum, Angelikawurzel, Dill, Fenchel, Thymian, Pfefferminze, Holunderblüten, Ingwer, Heidelbeeren, Süßholz, Olivenblätter und Vieles mehr.

Bitterpflanzen

Die Einnahme von Bitterpflanzen unterstützt den Körper dabei, die schädlichen Darmkeime zu verdrängen. Pflanzen, wie Löwenzahn, Brennnessel, Artischocke und Wegwarte sind reich an speziellen Bitterstoffen, die im Rahmen einer Darmreinigung und Darmsanierung gute Dienste leisten. Diese Bitterpflanzen sind als Granulat, als Pulver oder in Tropfenform erhältlich.

Gray-Kur

Robert Gray, ein Ernährungswissenschaftler aus Oakland/Kalifornien (1946 bis 1990), war auf der Suche nach einer leicht durchführbaren Darmreinigungskur. Diese Kur, als sogenannte Gray-Kur bekannt, ist keine Methode, die im Schnellverfahren durchführbar ist, sondern sie benötigt eine Zeit von circa drei Monaten. Die zur Darmreinigung nötigen Präparate werden schonend hergestellt und beinhalten keine synthetischen Farb- und Geschmacksstoffe. Leider ist diese Kur relativ kostenintensiv. Jedoch sollte, wenn über die eigene Gesundheit nachgedacht wird, nicht unbedingt der Preis im Vordergrund stehen. Eine fundierte Beratung durch einen Therapeuten ist vor Anwendung der Gray-Kur unbedingt zu empfehlen.

Darmreinigung für Kinder

Bevor bei Kindern eine Darmreinigung durchgeführt wird, ist stets ein Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen. Nicht jedes Kraut oder auch Fertigpräparat ist für Kinder geeignet. Vor allem spielt hier die richtige Dosierung eine große Rolle.

Ernährung während der Darmreinigung

Eine Darmreinigung beinhaltet meist auch eine Ernährungsumstellung: Gesunde, ballaststoffreiche, säurearme Kost ist angeraten. Zucker und Weißmehlprodukte belasten den Darm und begünstigen das Entstehen einer Candidose (Infektion mit einem Hefepilz). Deshalb sollte darauf während der Kur verzichtet werden. Der Verzehr von Fleisch, Fisch und Wurst wird am besten auf zweimal pro Woche reduziert. Milchprodukte, wie Quark, Käse und Joghurt sind während der Darmreinigung, so weit dies möglich ist, zu meiden, da diese sehr schleimbildend sind und somit den Reinigungsprozess behindern können. Zwei bis drei Tassen Kaffee sind erlaubt. Alkohol sollte während der Kur gar nicht getrunken werden. Während der Darmreinigung ist unbedingt auf genügend Flüssigkeit zu achten, am besten in Form von stillem Wasser und Kräutertee. Zu empfehlen ist die Vier-Kräuter-Mischung aus Anis, Fenchel, Kümmel und Koriander. Diese Saaten werden in der Apotheke oder dem Kräuterladen etwas angestoßen, damit die ätherischen Öle ihre Wirkung entfalten können. Aus einem Teelöffel der Mischung und einem viertel Liter kochendem Wasser wird ein wohlschmeckender Tee gebraut, der durch seinen leckeren Geruch an frisches Brot erinnert. Der Tee sollte circa acht Minuten ziehen und wird dann in kleinen Schlucken getrunken – am besten nach jeder Mahlzeit.

Darmreinigung – und dann?

Eine Darmreinigung wird meistens in Verbindung mit einer Fastenkur, Entgiftungskur oder Darmsanierung durchgeführt. Diese Reinigung kann regelmäßig – zum Beispiel zweimal im Jahr – zu einem gesunden Ritual werden und sollte vor allem ein Umdenken zur Folge haben. Ein Umdenken in die gesunde Richtung mit gesunder Lebensweise, gesunder Ernährung und ein Bewusstsein, die eigenen Körpersignale ernstzunehmen. (sw)