Zu viele weibliche Hormone

Das Hormonsystem des Menschen ist äußerst filigran und reagiert auf kleinste Veränderungen. Im gesunden Körper sind alle Hormone gut aufeinander abgestimmt, sodass alle Prozesse regelgerecht ablaufen. Sind zu viele weibliche Hormone vorhanden, kann dies sowohl bei Männern als auch bei Frauen verschiedene Beschwerden hervorrufen.

Was sind weibliche Hormone?

Um die Symptombilder verstehen zu können, ist es wichtig, sich zunächst ein Bild von den verschiedenen Hormonen zu machen. Zu den wichtigsten Hormonen im weiblichen Zyklus gehören die Geschlechtshormone aus der Gruppe der Östrogene sowie das Progesteron. Ebenso spielen FSH, das follikelstimulierende Hormon, und das luteinisierende Hormon (LH) eine wichtige Rolle. Der Begriff „weibliche Hormone“ ist hier etwas irreführend, denn auch bei Männern sind diese Hormone vorhanden und unter anderem an der Bildung von Testosteron in den Hodenzellen beteiligt. Der Hormongehalt ist im weiblichen Körper jedoch deutlich höher.

Die Östrogene zählen zu den bekanntesten und wichtigsten Hormonen der Frau, obwohl sie in geringerer Menge auch beim Mann zu finden sind. (Bild: Jürgen Fälchle/fotolia.com)

Zu hoher Östrogenspiegel bei Frauen – Auswirkungen und Symptome

Östrogene gehören zu den wichtigsten Steroidhormonen aus der Gruppe der Geschlechtshormone. Sie fördern in der ersten Zyklushälfte die Reifung der Eizelle und sorgen für eine gute Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut. Durch den Einfluss der Östrogene öffnet sich der Muttermund, sodass die Spermien des Mannes die Eizelle erreichen können. Ebenso lösen die Hormone über die Hypophyse indirekt den Eisprung aus. Doch Östrogene wirken sich nicht nur auf die Geschlechtsorgane aus, sondern

  • wirken zudem stimmungsaufhellend,
  • hemmen den Knochenabbau,
  • haben eine blutdrucksenkende Wirkung
  • und fördern die Darmfunktion.

Nach der letzten Regelblutung sinkt der Östrogenspiegel bei Frauen stark ab. Dadurch können Wechseljahrsbeschwerden entstehen. Doch nicht nur ein Hormonmangel, sondern auch ein Hormonüberschuss kann Beschwerden hervorrufen. Ein Östrogenüberschuss wird auch als Östrogendominanz bezeichnet, denn häufig geht mit ihm ein Progesteronmangel einher. Ein zu hoher Östrogenspiegel kann sich durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen. Die Symptomatik ist dabei individuell unterschiedlich. Nicht alle Symptome müssen bei jeder Frau oder in jedem Zyklus auftreten.

Typisch sind Wassereinlagerungen und damit verbunden ein unangenehmes Spannungsgefühl in den Brüsten sowie eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit der Brüste. Frauen mit zu viel Östrogen haben eine schmerzhafte Menstruation und leiden zudem häufiger unter Endometriose. Die Endometriose ist eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhautgewebe außerhalb der Gebärmutter auftritt. Infolge kommt es vor allem während der Monatsblutung zu starken Schmerzen.

Östrogene haben zudem einen großen Einfluss auf die Stimmung. Eine Östrogendominanz äußert sich deshalb nicht selten mit Stimmungsschwankungen, einer ausgeprägten Angst oder sogar Depression. Viele Frauen klagen zudem vermehrt über Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Wissenschaftliche Studien zeigen ferner einen Zusammenhang zwischen einem Östrogenüberschuss und dem Risiko für eine Brustkrebserkrankung auf.

Symptome bei Östrogenüberschuss beim Mann

Östrogen kommt im männlichen Körper nur in kleinen Mengen vor. Ein Überschuss kann deshalb Beschwerden hervorrufen. Ein Anzeichen für einen erhöhten Östrogenspiegel ist die sogenannte Gynäkomastie. Es handelt sich hierbei um ein gutartiges Wachstum der Brustdrüse. Die Gynäkomastie kann eine oder beide Seiten der Brust betreffen. Ferner regen zu viele weibliche Hormone die Prostata zum Wachstum an. Auch die Potenz leidet unter den Hormonverschiebungen.

Ein Überschuss an Östrogen beim Mann kann zur sogenannten Gynäkomastie, einem gutartigen Wachstum der Brustdrüse, führen. (Bild: ALEXEI/fotolia.com)

Östrogenüberschuss – die Ursachen

Ein Östrogenüberschuss entsteht häufig dadurch, dass die weiblichen Geschlechtshormone nicht in ausreichendem Maße abgebaut werden. Damit sich der Östrogenspiegel im Normbereich bewegt, müssen die Hormone zunächst in der Leber deaktiviert und anschließend ausgeschieden werden. Mehrere Faktoren können den normalen Östrogenstoffwechsel im Körper stören.

Östrogenüberschuss durch schwindende Eierstockfunktion

Zwar sinkt der Östrogenspiegel nach der Menopause stark ab, in den Jahren vor der letzten Regelblutung kann er jedoch auch ansteigen. Der Grund dafür ist die verminderte Eierstockreserve (Diminished Ovarian Reserve). Stellen die Kontrollmechanismen im Körper fest, dass die Eizellreserve der Frau stark dezimiert ist, wird die Hormonproduktion hochgefahren, um die Zellreifung bestmöglich zu stimulieren.

Zu viel Östrogen durch Fremdöstrogene

Fremdöstrogene sind immer häufiger die Ursache für einen Östrogenüberschuss oder eine Östrogendominanz. Es handelt sich hierbei um Substanzen, die den Körperhormonen in ihrem Aufbau sehr ähnlich sind. Sie können sich an die Hormonrezeptoren im Körper binden und so die gleichen Reaktionen wie die körpereigenen Hormone hervorrufen.

Diese hormonähnlichen Stoffe werden auch als Xenoöstrogene oder endokrine Disruptoren bezeichnet, da sie das empfindliche Hormongleichgewicht im Körper stören. Zu diesen Störfaktoren gehören zum Beispiel Flammschutzmittel wie polybromierte Biphenyle (PBB), aber auch Parabene, die in vielen Kosmetika enthalten sind. Auch BPA (Bisphenol-A), ein Weichmacher in Kunststoffen, entwickelt im Körper eine hormonähnliche Wirkung. BPA befindet sich zum Beispiel in Wasserflaschen aus Plastik oder anderen Plastikgegenständen.

Östrogenüberschuss durch Übergewicht

Dass Fettleibigkeit und Übergewicht die Entstehung von Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck begünstigen können, ist den meisten Menschen bekannt. Der Zusammenhang zwischen Adipositas und hormonellen Beschwerden wird hingegen häufig vernachlässigt. So produzieren die Fettzellen vermehrt Östrogen. Je mehr Fett (insbesondere Bauchfett) vorhanden ist, desto mehr Östrogene werden freigesetzt. Durch das Übergewicht sinkt ferner der Gehalt an hormonbindenden Globulinen im Blut, sodass vermehrt freies Östrogen im Blutkreislauf zirkulieren kann.

Alkohol sorgt für zu viele weibliche Hormone

Bei regelmäßigem Konsum von Alkohol kann es zum Anstieg des Östrogens Östron kommen. Ebenso steigt der Gehalt von DHEA-S im Blut. Dieses Hormon kann ebenfalls in Östrogen umgewandelt werden.

Häufiger Alkoholkonsum kann zum Anstieg des Östrogens Östron führen, außerdem beeinträchtigt es den Hormonstoffwechsel in der Leber. (Bild: Vadym/fotolia.com)

Östrogenproduzierende Tumore als Ursache für einen Östrogenüberschuss

Zu den selteneren Ursachen für einen Östrogenüberschuss gehören hormonproduzierende Tumore. Unter anderem können bösartige Tumore der Nebennierenrinde Östrogene produzieren und so sehr hohe Östrogenspiegel im Blut hervorrufen. Auch Ovarialtumore, also Geschwülste an den Eierstöcken, können Östrogene produzieren.

Östrogenüberschuss beim Mann – mögliche Ursachen

Ein Östrogenüberschuss kann beim Mann ebenfalls durch die Produktion von Östrogenen in den Fettzellen hervorgerufen werden. Übergewichtige Männer haben deshalb häufiger erhöhte Östrogenspiegel als normalgewichtige. Ebenso kann eine gesteigerte Aktivität des Enzyms Aromatase dazu führen, dass vermehrt Testosteron in Östrogen umgewandelt wird. Eine weitere Ursache für einen Östrogenüberschuss bei älteren Männern ist die Behandlung mit weiblichen Geschlechtshormonen zur Therapie von Prostatakrebs. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen wird diese Therapie nur noch selten durchgeführt.

Progesteronüberschuss – Symptome und Auswirkungen bei der Frau

Progesteron ist das Hormon, das vor allem in der zweiten Zyklushälfte dominiert. Es wird auch als Gelbkörperhormon bezeichnet und bereitet die Gebärmutter der Frau auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vor. Progesteron sorgt ferner für eine Erhöhung der Körpertemperatur und für eine Verdichtung der Drüsen in der Brust. Beim Mann spielt Progesteron unter anderem für die Beweglichkeit der Spermien eine Rolle.

Im Gegensatz zum Progesteronmangel kommt der Progesteronüberschuss eher selten vor. Die Symptome beider Störungen ähneln sich jedoch sehr. Das liegt daran, dass sich bei einem längerfristigen Hormonüberschuss eine sogenannte Progesteronresistenz entwickeln kann. Die Körperzellen reagieren dann nicht mehr auf das entsprechende Hormon, sodass es trotz ausreichenden oder sogar zu hohen Blutspiegeln zu einer Mangelsymptomatik kommt.

Die betroffenen Frauen fühlen sich schläfrig und können sich nur schlecht konzentrieren. Ähnlich wie bei der Östrogendominanz neigen Frauen mit zu viel Progesteron zu Depressionen und Stimmungsschwankungen. Eine ungewollte Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen kann ebenfalls auf einen Progesteronüberschuss hinweisen.

Ursachen für zu viel Progesteron

Ein zu hoher Progesteronspiegel tritt zumeist infolge einer Hormontherapie auf. So erhalten Frauen mit Kinderwunsch und einer Gelbkörperschwäche häufig Progesteron, um einer Fehlgeburt vorzubeugen. Auch in den Wechseljahren bekommen Frauen nicht selten ein Progesteronpräparat. In diesem Fall soll das Hormon ein übermäßiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut regulieren. Auch nach einer operativen Entfernung der Eierstöcke wird oftmals zusätzlich zu Östrogenen ein progesteronhaltiges Medikament ärztlich verordnet.

Progesteron reguliert das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut, erhöht die Körpertemperatur und verdichtet die Drüsen in der Brust. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Zu viele weibliche Hormone – konventionelle Behandlungsmethoden

Grundsätzlich richtet sich sowohl die naturheilkundliche als auch die konventionelle Behandlung nach den möglichen Ursachen. Basieren die erhöhten Hormonspiegel im Blut zum Beispiel auf einem hormonproduzierenden Tumor, muss dieser operativ entfernt werden. Befindet sich durch die Einnahme von Hormonen zu viel Östrogen oder Progesteron im Blut, muss die Hormondosis angepasst oder die Therapie unter Umständen abgebrochen werden.

Hormontherapie bei Hormonüberschuss

Zunächst erscheint eine Hormontherapie bei einem Hormonüberschuss widersinnig. Schließlich kreisen im Blutkreislauf zu viele Hormone und es besteht kein Hormonmangel. Doch nicht immer werden die Beschwerden durch einen tatsächlichen Überschuss hervorgerufen. Allzu häufig stimmen lediglich die Hormonverhältnisse nicht. Bei einer Östrogendominanz liegt – absolut betrachtet – nicht immer ein Östrogenüberschuss vor. Da der Körper jedoch zu wenig Progesteron produziert, ist im Verhältnis zum Progesteron zu viel Östrogen vorhanden. Eine Behandlungsmöglichkeit dieses Ungleichgewichts ist die Hormontherapie.

Bei der Hormontherapie muss zwischen einer Behandlung mit bioidentischen und synthetischen Hormonen unterschieden werden. Bioidentische Hormone werden auch als körperidentische Hormone bezeichnet. Die Molekularstrukturen dieser Hormonsubstanzen sind identisch mit denen im Körper, sodass der Organismus sie als körpereigen anerkennt. Die bioidentischen Hormone werden aus der Yamswurzel (Dioscorea composita) oder aus Soja hergestellt. Hingegen ist die Struktur bei den synthetischen Hormonen verändert. In der Natur kommen die Hormone in dieser Form nicht vor.

Alkohol reduzieren

Alkohol stört die Funktion der Leber und behindert so den Abbau von Östrogenen. Schon ein Glas Wein am Tag kann den Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen. Wer also unter einem Östrogenüberschuss leidet, sollte komplett auf Alkohol verzichten oder nur noch zu besonderen Gelegenheiten ein Glas Wein, Sekt oder Bier trinken.

Fremdöstrogene meiden

In der heutigen Zeit sind wir mit zahlreichen Umweltgiften konfrontiert, die das Hormonsystem schädigen können. Zwar lassen sich nicht alle Fremdöstrogene meiden, dennoch sollten Menschen mit hormonell bedingten Beschwerden ein Bewusstsein für diese Störfaktoren entwickeln. Empfehlenswert ist der Verzehr von biologisch angebauten Nahrungsmitteln. Viele Pestizide entwickeln im Körper eine hormonähnliche Wirkung und können deshalb Beschwerden hervorrufen.

Pestizide haben eine hormonähnliche Wirkung im Körper, Personen mit hormonell bedingten Beschwerden wird daher oft zu biologisch angebauten Lebensmitteln geraten. (Bild: RioPatuca Images/fotolia.com)

Dasselbe gilt für Weichmacher wie Phthalate und BPA. Wasser sollte deshalb keinesfalls aus Plastikflaschen konsumiert werden. Wissenschaftler der Goethe Universität Frankfurt am Main wiesen in einer Studie östrogene Belastungen im Mineralwasser nach. Besonders viele hormonähnliche Substanzen lösen sich aus der Flasche, wenn diese der Hitze ausgesetzt ist. Als Verbraucher sollte man also vorsorglich auf wiederbefüllbare Glas- oder Edelstahlflaschen zurückgreifen.

Auch der vermehrte Konsum von Leitungswasser kann problematisch sein. Der Gesetzgeber schreibt bisher keine Grenzwerte für Hormone im Leitungswasser vor. Zahlreiche Messungen weisen jedoch Hormone in den Gewässern nach. Doch wie gelangen die Hormone ins Wasser? Zum einen entsorgen einige unachtsame Verbraucher hormonhaltige Medikamente einfach in der Toilette. Zum anderen gelangen beispielsweise die Wirkstoffe der Antibabypille über den Urin der Anwenderinnen in das Abwasser. Diese Rückstände können von den Kläranlagen nicht gefiltert werden und geraten so wieder ins Trinkwasser. Spezielle Wasserfilter für den Hausgebrauch können hier Abhilfe schaffen.

Bei zu vielen weiblichen Hormonen lohnt es sich zudem, die eigenen Kosmetikprodukte genauer zu betrachten. Cremes und Co. enthalten häufig Substanzen, die im Verdacht stehen, Einfluss auf das Hormonsystem zu nehmen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Parabene wie Ethylparaben oder Methylparaben,
  • der UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate (OMC)
  • und Benzophenone-3.

Eine Alternative ist es, die Kosmetikprodukte selbst herzustellen, denn frisch angerührte Kosmetik kommt ohne Farb- und Konservierungsstoffe aus. Wer seine Kosmetikprodukte nicht selbst herstellen möchte, kann beim Kauf auf die Gütesiegel für Natur- und Biokosmetik achten. Verschiedene Siegel garantieren, dass die zertifizierten Produkte frei von Parabenen, PEGs, Paraffinen oder synthetischen Konservierungsmitteln sind.

Den Hormonhaushalt über eine gesunde Ernährung regulieren

Eine ausgewogene und nährstoffreiche Kost kann sich auf zahlreiche Erkrankungen und Beschwerden positiv auswirken. Auch das Hormonsystem kann von einer Ernährungsumstellung profitieren. Ein erhöhter Ballaststoffanteil in der Nahrung kann zum Beispiel den Östrogenspiegel senken. Ballaststoffe sind unverdauliche Bestandteile der Nahrung, die überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Gute Quellen für Ballaststoffe sind:

  • Getreide,
  • Obst,
  • Hülsenfrüchte
  • und Gemüse.

Um Östrogen in ausreichender Menge abbauen zu können, benötigt der Körper verschiedene Vitamine und Spurenelemente. Dazu gehören:

  • Vitamin B6,
  • Vitamin B12,
  • Vitamin C,
  • Vitamin E,
  • Selen
  • und Magnesium.

Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Sesam, Mohn und Cashewkerne enthalten nicht nur viel Magnesium, sondern liefern dem Körper auch Selen. Zitrusfrüchte, Paprika und Kohl sind eine gute Quelle für Vitamin C. Vitamin E findet sich unter anderem in Ölpflanzen und Nüssen. Zu den Früchten mit besonders hohem Gehalt an Vitamin E gehören Avocados, Heidelbeeren und schwarze Johannisbeeren. Vitamin B12 kommt zum Großteil nur in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor. Auch Vitamin B6 steckt vor allem in Fleisch wie Geflügel, Wild, Rind oder Schwein. Aber ebenso Fische wie Lachs, Makrele und Sardine sowie Kartoffeln, grünes Blattgemüse und Kohl dienen als Vitamin-B6-Quelle.

Kürbis- und Sonnenblumenkerne enthalten Magnesium und Selen, was der Körper braucht, um Östrogen abzubauen. (Bild: womue/fotolia.com)

Kohl bei hormonellen Beschwerden

Die verschiedenen Kohlarten sind als Heilpflanzen nicht sonderlich bekannt – völlig zu Unrecht, denn sie enthalten viele Substanzen, die unter anderem Einfluss auf das Hormonsystem nehmen. Zu diesen Inhaltsstoffen gehört vor allem Diindolylmethan (DIM). Kurz gefasst kann DIM den Östrogenspiegel im Blut senken. In natürlicher Form kommt die Substanz in Brokkoli, Rosenkohl oder Blumenkohl vor. Der Verzehr von 500 Gramm Brokkoli täglich kann das Östrogenverhältnis im Körper verbessern. Wer nicht jeden Tag Kohl essen möchte, kann auch auf Nahrungsergänzungsmittel mit DIM zurückgreifen.

Aromatasehemmer senken den Östrogenspiegel

Das Enzym Aromatase wandelt Testosteron in Östrogen um. Es gibt jedoch verschiedene natürliche Aromatasehemmer, die diesen Umwandlungsprozess stoppen können. Dazu gehört Resveratrol, ein starkes Antioxidans, das vor allem in Weintrauben zu finden ist. Auch Omega-3-Fettsäuren können die Aromatase im Körper hemmen und sind deshalb eine gute Wahl bei zu vielen weiblichen Hormonen. Walnüsse, Sardinen, Makrelen und andere Salzwasserfische sind reich an gesundheitsfördernden Omega-3-Fettsäuren.

Grüner Tee ist für seine positive Wirkung auf die Gesundheit bekannt. Er wirkt aber nicht nur stark antioxidativ, er kann auch die Aromatasewerte im Körper senken und so zu einer Regulierung des Hormonspiegels beitragen. Ein weiterer bekannter Aromatasehemmer ist der Ginkgo. Ginkgoextrakt hat einen positiven Einfluss auf die Merk- und Lernfähigkeit und senkt zudem über die Hemmung der Aromatase den Östrogenspiegel im Blut.

Doch vor allem Frauen mit einem zu hohen Östrogenspiegel sollten beim Verzehr der Aromatasehemmer Vorsicht walten lassen. Wird das Enzym Aromatase zu sehr gehemmt, kann der Testosteronspiegel im Blut ansteigen.

Heilpflanzen bei zu vielen weiblichen Hormonen

Zur Hormonregulierung können ebenfalls verschiedene Heilpflanzen genutzt werden. Eine der großen Frauenheilpflanzen ist der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris). Zwar sind die günstigen Wirkungen des Krauts bei Frauenleiden und hormonellen Beschwerden wissenschaftlich noch nicht belegt, in der Volksmedizin und Naturheilkunde wird der Frauenmantel jedoch seit vielen Jahrhunderten erfolgreich eingesetzt. Bei hormonellen Beschwerden kann aus dem getrockneten Kraut ein Tee gekocht werden. Empfehlenswert sind bis zu drei Tassen am Tag. Ebenso kann der Frauenmantel als Urtinktur eingenommen werden.

Nicht nur bei Frauenleiden, auch bei Magen-Darm-Problemen erfreut sich der Frauenmantel seit jeher großer Beliebtheit. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

Die Leber spielt eine entscheidende Rolle beim Hormonabbau. Kommt es hier zu Funktionsstörungen, steigt der Hormonspiegel im Blut an. Wer zu viele weibliche Hormone hat, sollte seiner Leber deshalb besonders viel Aufmerksamkeit zukommen lassen. Hierzu eignet sich zum Beispiel eine Teekur mit Leberpflanzen. Zu diesen Pflanzen gehören unter anderem:

Mit dem Teeaufguss lässt sich auch einfach ein Leberwickel durchführen. Die Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit verstärkt die Durchblutung der Leber und regt die Leberfunktion an. Für einen Leberwickel einfach ein trockenes Baumwolltuch gut mit dem warmen Teeaufguss tränken, ausdrücken und anschließend auf den Bereich der Leber auflegen. Dann eine Wärmeflasche auf das Handtuch legen und ein weiteres trockenes Tuch fest um den Körper wickeln. Empfehlenswert ist eine Ruhezeit von 30 Minuten. Ein Leberwickel kann mehrmals in der Woche durchgeführt werden, um den Hormonabbau zu unterstützen. (fp)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Wagner, Martin; Oehlmann, Jörg: "Endocrine disruptors in bottled mineral water: total estrogenic burden and migration from plastic bottles, Environmental Science and Pollution Research", in: Environmental Science and Pollution Research, Volume 16, Issue 3, May 2009, Springer
  • Wang, Yun; Leung, Lai K.: "Pharmacological concentration of resveratrol suppresses aromatase in JEG-3 cells", in: Toxicology Letters, Volume 173 Issue 3, September 2007, sciencedirect.com
  • Rampogu, Shailima et al.: “Pharmacotherapeutics and Molecular Mechanism of Phytochemicals in Alleviating Hormone-Responsive Breast Cancer,” in: Oxidative Medicine and Cellular Longevity, Vol. 1 2019, researchgate.net
  • BioCycle Study Group (Hrsg.): "Effect of daily fiber intake on reproductive function: the BioCycle Study", in: The American Journal of Clinical Nutrition, Volume 90 Issue 4, October 2009, NCBI
  • Del Priore, Giuseppe et al.: "Oral diindolylmethane (DIM): Pilot evaluation of a nonsurgical treatment for cervical dysplasia", in: Gynecologic Oncology, Volume 116 Issue 3, March 2010 , sciencedirect.com
  • Detloff, Karin: Hormonelle Beschwerden pflanzlich behandeln: Wirkungsvolle Heilpflanzen für die verschiedenen Lebensphasen der Frau. Hilfe bei Regelschmerzen, Wechseljahresbeschwerden, Stimmungsschwankungen, Progesteronmangel u.v.m., Schlütersche, 2016

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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