Neurodermitis – Ursachen, Naturheilkunde und Therapie

Nina Reese

Neurodermitis – Die kratzende, juckende, schuppende Hautkrankheit

Bei der Neurodermitis (auch „Atopische Dermatitis“ oder „Atopisches Ekzem“) handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Haut, die weit verbreitet ist und etwa 10 bis 20 Prozent der Kinder sowie ca. drei Prozent der Erwachsenen in den industrialisierten Ländern betrifft. Typisch sind vor allem eine trockene, schuppige Haut, Rötungen und Entzündungen sowie ein oft unerträglicher Juckreiz, der sich meist nachts noch verschlimmert und dadurch zu einem sehr belastenden Problem werden kann.

Da bei der Entstehung der Krankheit die Gene eine zentrale Rolle spielen, kann diese bislnag nicht ursächlich geheilt werden, dennoch bestehen vielfältige Möglichkeiten, die Symptome zu behandeln und dadurch die Beschwerden zu lindern. Neben Medikamenten wie Cortison und Tacrolimus werden vor allem Maßnahmen zur Vermeidung von Krankheitsauslösern (bestimmte Gewebe, Putzmittel etc.), Maßnahmen für eine entsprechende Hautpflege und Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen angewendet.

Neben dem bildet die Naturheilkunde einen sinnvollen Begleiter, indem beispielsweise Heilpflanzen wie Kamille oder Aloe Vera, aber auch Verfahren wie die Homöopathie oder eine Darmsanierung angewandt werden, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen.


Definition

Der Begriff „Neurodermitis“ leitet sich aus dem Griechischen ab („neuron“ für Nerv/Nervenzelle, „derma“ für Haut und die Endung „-itis“ für Entzündung) und stammt aus dem 19. Jahrhundert – einer Zeit, in der angenommen wurde, dass die Hauterkrankung durch eine Nervenentzündung verursacht wird.

Heute wird stattdessen davon ausgegangen, dass bei der Entwicklung einer Neurodermitis sowohl erbliche als auch äußere Einflussfaktoren zusammenspielen. Die Krankheit gehört in den Formenkreis der sogenannten „atopischen Erkrankungen“, worunter eine angeborene Bereitschaft verstanden wird, überempfindlich auf natürliche oder künstliche Umweltstoffe zu reagieren. Neurodermitis ist eine entzündliche, meist chronisch verlaufende Hauterkrankung, die typischerweise in Schüben auftritt.

Hand mit typischen Anzeichen einer Neurodermitis. (Bild: casi/fotolia.com)

Synonyme
Die Erkrankung zählt zu den sogenannten „atopischen Krankheiten“ und wird daher auch „atopisches“ oder „endogenes Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“ genannt. Außerdem werden die Begriffe „chronisch konstitutionelles Ekzem“, „Asthmaekzem“ und „Prurigo Besnier“ für die Krankheit verwendet.

Häufigkeit

Laut Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) leiden in Deutschland etwa 13 Prozent aller Kinder zumindest zeitweise unter der weit verbreiteten Hautkrankheit. Zudem sind zwei bis drei Prozent aller Erwachsenen betroffen.

Krankheitsverlauf

Kennzeichnend für die Erkrankung ist in erster Linie ein Juckender Hautausschlag, wobei vor allem Kopfhaut, Gesicht, Hände, Arm- und Kniebeugen betroffen sind. Die teilweise extrem trockene und entzündete Haut sowie der starke Juckreiz können für die Betroffenen nicht nur körperlich zu einer echten Qual werden, auch die Psyche leidet bei dieser Erkrankung oft stark. Denn auch wenn die Hautprobleme genetisch bedingt und dadurch nicht übertragbar bzw. ansteckend sind, erschrecken sich Mitmenschen nicht selten beim Anblick der schuppigen, roten und teilweise offenen Stellen am Körper, was bei Neurodermitikern oft Gefühle wie Scham, Unsicherheit oder Angst auslöst sowie in schweren Fällen sogar sozialen Rückzug bzw. Abbruch von Kontakten zur Folge hat.

Intrinsische und extrinsische Form
Unterschieden wird bei der atopischen Dermatitis zwischen der intrinsischen und der extrinsischen Variante. Die sogenannte „extrinsische Form“ ist allergisch bedingt, was bedeutet, dass ein eindeutiger Zusammenhang mit einer Immunreaktion des Körpers auf Allergene besteht, welche über die Atemluft oder die Nahrung aufgenommen werden. Hier gelten Hühnerei-Allergien als wichtigste Auslöser, gefolgt von Birkenpollen, Kuhmilch, Soja, Nüssen, Fisch und Weizen. Erkennbar ist dieser Zusammenhang vor allem anhand der erhöhten Konzentration der Immunglobuline E (auch „IgE-Antikörper“ genannt) im Blutserum der Menschen, die an der extrinsischen Form leiden. Es fallen auch Allergietests auf der Haut („Prick-Tests“) in diesem Fall oft positiv aus, weswegen medizinisch oft von einer „IgE-vermittelten Variante der Neurodermitis“ gesprochen wird.

Bei der „intrinsischen“ Variante besteht dieser Zusammenhang mit allergischen Reaktionen hingegen nicht, zudem sind hier auch die IgE-Antikörper-Werte im Blutserum normal, wodurch sich eine weniger ausgeprägte Form der Neurodermitis ausbildet, die ohne zusätzliche Allergien der Atemwege auftritt. Bei den meisten Betroffenen (60 bis 70% der Fälle) handelt es sich um die extrinsische Variante der atopischen Dermatitis, während der Anteil der Patienten mit intrinsischer Form vergleichsweise gering ist (30 bis 40%) – dementsprechend spielen also nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen allergische Reaktionen keine Rolle, die Haut reagiert jedoch in beiden Fällen mit den weitgehend gleichen Erscheinungen.

Durch einen Pricktest kann der Hautarzt unter anderem erkennen, ob eine intrinsische und extrinsische Form der Neurodermitis vorliegt. (Bild: Gerhard Seybert/fotolia.com)

Ursachen

Die atopischen Erkrankungen, zu denen auch allergisches Asthma bronchiale und pollenbedingter allergischer Schnupfen (Heuschnupfen) zählen, treten familiär gehäuft auf. Das Risiko steigt dementsprechend, wenn bereits die Eltern (bzw. ein Elternteil) betroffen sind.

Die genetische Disposition bezieht sich hier auf die natürliche Barrierefunktion der Haut. Diese ist bei Neurodermitikern durch einen Mangel an bestimmten Eiweißen gestört und kann dadurch keinen wirksamen Schutz mehr gegen Feuchtigkeitsverlust, Wind, Kälte, Sonne sowie eindringende Krankheitserreger und andere äußere Reize (wie zum Beispiel Schmutz oder Waschmittel) bieten. In der Folge trocknet die Haut durch die geringe Wasserbindungsfähigkeit sehr schnell aus. Zudem gelangen Erreger durch die gestörte Barrierefunktion in die Haut und können dort die Entzündung verursachen bzw. noch deutlich verstärken.

Doch nicht bei jedem, der die Anlage in sich trägt, entwickelt sich automatisch eine atopische Dermatitis. Stattdessen scheinen auch nicht-allergische Umweltfaktoren eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Erkrankung zu spielen. In den meisten Fällen wirken zudem mehrere Faktoren zusammen, was die Suche nach den Auslösern der Neurodermitis oft schwierig und langwierig gestaltet. Zu den Faktoren, durch die typische Symptome hervorgerufen werden können, zählen unter anderem

  • allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe bestimmter Nahrungsmittel (zum Beispiel Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Erdnuss),
  • Allergene aus Blütenpollen, Tierhaaren und Hausstaub,
  • Reizung der Haut durch falsche Kleidung aus rauer Synthetik- oder Wollfaser sowie zu enger oder luftundurchlässiger Kleidung,
  • bestimmte Chemikalien und Putzmittel,
  • klimatische Bedingungen (extreme Kälte oder Hitze, Trockenheit, Heizungsluft),
  • Umweltschadstoffe (Ozon, Tabakrauch o.ä.),
  • häufiges Waschen mit ungeeignetem Pflegemitteln sowie ausgiebiges Baden,
  • Hautpflege mit Pflegeprodukten, deren Inhaltsstoffe entweder allergische Reaktionen auslösen (beispielsweise durch Duft- und Konservierungsstoffe) oder die in ihrer Fett-Wasser-Zusammensetzung ungeeignet für die Haut der Betroffenen sind,
  • Infektionen mit Viren, Bakterien oder Pilze schwächen das Immunsystem und können so die Entzündungen der Haut begünstigen,
  • Psychische Belastungen wie beispielsweise Stress oder Aufregung.

Teufelskreise des atopischen Ekzems

Vielen Experten sehen einen engen Zusammenhang zwischen dem Immunsystem und der seelischen Gesundheit des Menschen. Dabei spielt die Psyche hier in doppelter Hinsicht eine zentrale Rolle: Zum einen können seelische Belastungen, Stress, Druck und dauerhafte Anspannung einen Schub auslösen, zum anderen stellen die meist sichtbaren Hautveränderungen sowie der starke Juckreiz selbst eine psychische Belastung dar, durch welche es häufig zu Ängsten, Schamgefühlen oder sogar sozialem Rückzug kommt. In der Folge wirkt sich dies negativ auf den Verlauf der Krankheit aus, die Haut „blüht“ noch stärker und die Betroffenen geraten in einen „Teufelskreis“, der sich schwer aufbrechen lässt.

Neurodermitis Symptome

Die Symptome können von Fall zu Fall ganz unterschiedlich sein und variieren je nach Alter der Betroffenen zum Teil stark. Typisch ist jedoch, dass die Erkrankung generell in Schüben auftritt und sich dadurch Phasen ohne jegliche Beschwerden mit solchen, in denen es zu unerträglichem Juckreiz und massiven Hautveränderungen kommt, schnell abwechseln können.

Bei starker Neurodemitis drohen Komplikationen durch die Schäden der Haut. Beim Kratzen werden diese Schäden verstärkt. (Bild: Astrid Gast/fotolia.com)

Allgemeine typische Symptome
Das Erscheinungsbild der Neurodermitis kann von Patient zu Patient variieren. Außerdem zeigt die Haut von Kindern andere typische Symptome auf, als die von Erwachsenen. So kann es bei Betroffenen zu trockener Haut mit gelegentlichem Jucken bis hin zu stark verkrusteten Hautarealen gepaart mit quälenden Juckattacken kommen. Typische Symptome sind:

  • Scharf abgegrenzte rötliche Hautpartien, gelegentlich mit nässenden Stellen,
  • Blasen, Schuppen oder Krusten auf der Haut,
  • Befallene Stellen häufig Gesichtsbereich, Kopfhaut sowie im Seiten- und Innenseitenbereich von Armen und Beinen,
  • leichter bis stark ausgeprägter Juckreiz.

Warnzeichen und Diagnose

Häufiges Kratzen und gerötete Hautstellen sowie Milchschorf bei Babys liefern erste Hinweise auf eine mögliche Neurodermitis. Der Hautarzt oder der Kinderarzt kann die Diagnose anhand verschiedener Faktoren stellen. Zu diesen Faktoren zählen beispielsweise:

  • Krankheitsgeschichte (Wann, wo, wie häufig und unter welchen Umständen treten die Symptome auf?)
  • Erscheinungsbild der Haut
  • Familiäre Häufung
  • Bekannte Allergien, beziehungsweise ein positiver Allergietest
  • Weißer Dermographismus (weiße Reaktion der Haut auf einen Reiztest)
  • Eine doppelte Lidfalte (Dennie-Morgan-Falte)
  • Blässe um den Mund (Periorale Blässe oder auch „Milchbart“ genannt)
  • Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen (Hertoghe’sches Zeichen)

Symptome bei Kindern und Babys

Eine Neurodermitis kann zwar grundsätzlich in jedem Alter vorkommen, jedoch treten laut Schätzung der DDG 70 bis 85 Prozent aller Fälle bereits vor dem fünften Lebensjahr auf. Bei 60 Prozent der Krankheitsfälle manifestiert sich die atopische Dermatitis bereits innerhalb des ersten Lebensjahres. Das atopische Ekzem zählt zu den häufigsten chronischen Hautentzündungen bei Babys und Kindern. Bis zu 15 Prozent aller Kinder in den Industriestaaten leiden darunter – mit steigender Tendenz. Der moderne Lebensstil kann die Entwicklung einer Neurodermitis zudem begünstigen.

Bei 60 Prozent der Krankheitsfälle bricht die Neurodermitis bereits innerhalb des ersten Lebensjahres aus. (Bild: SkyLine/fotolia.com)

Während sich die Neurodermitis bei etwa einem Drittel der Kinder im Laufe der ersten Lebensjahre wieder zurückbildet und schließlich ganz verschwindet, nimmt die Krankheit in anderen Fällen wiederum einen sehr langwierigen und unangenehmen Verlauf. Dies gilt vor allem für Kinder, die parallel z.B. an einer Hühnerei- oder Kuhmilchallergie leiden, denn hier kommt es häufig im späteren Alter zu weiteren allergischen Erkrankungen wie zum Beispiel Heuschnupfen oder Asthma.

Erstes Anzeichen einer Neurodermitis bei Kindern ist oft der sogenannte „Milchschorf“, ein Hautausschlag, der sich auf der Kopfhaut und im Gesicht, aber auch an den Beugefalten der Gelenke wie Kniekehle und Ellenbogen bildet und für starkes Kopfjucken sorgen kann. Der Milchschorf, der zeichnet sich durch gelbe Schuppen, Krustenbildung und starken Juckreiz aus.

Milchschorf ist leicht zu verwechseln mit Kopfgneis, bei dem es zu fetthaltiger und weicher Schuppenbildung kommt. Der Kopfgneis ist allerdings harmlos und verschwindet wieder, wogegen der Milchschorf als Warnzeichen für die mögliche Entwicklung einer Neurodermitis gilt. Es muss sich jedoch nicht zwangsweise ein chronisches Ekzem daraus entwickeln. Die Bezeichnung „Milchschorf“ geht dabei auf die Ähnlichkeit der Hautveränderungen mit verbrannter bzw. verkrusteter Milch zurück, ist aber etwas irreführend, da dieser nicht unbedingt mit einer Milch-Unverträglichkeit in Zusammenhang steht.

Milchschorf bei Babys gilt als Warnzeichen für die eventuelle Entwicklung einer Neurodermitis. (Bild: farbkombinat/fotolia.com)

Typischerweise ist die Haut im Säuglingsalter zunächst gerötet, nässt und ist teilweise mit Schuppenkrusten bedeckt. Im weiteren Verlauf entwickeln sich aus diesen Hautveränderungen häufig stark juckende schuppige Ekzeme, die in erster Linie Gesicht, Ohren und andere Kopf-Bereiche betreffen. Bei Kleinkindern zeigen sich diese besonders häufig in den Gelenkbeugen der Arme und Beine, am Hals und an den Händen. Mit zunehmendem Alter wird die Haut außerdem dicker und gröber, auch Verkrustungen sind typisch, ebenso wie stark juckende Knötchen.

Während der akuten Schübe können sich die Ekzeme auf die gesamte Haut ausweiten. Besonders quälend für Betroffene in jedem Alter ist der damit verbundene Juckreiz, der oft permanent besteht und gerade nachts unerträglich werden kann. Da dieser Reiz nur schwer zu unterdrücken ist, entsteht schnell ein Teufelskreis. Denn beginnt das Kind intensiv zu kratzen, können Bakterien und Viren in die ohnehin bereits geschädigte Haut eindringen und dort wiederum Infektionen verursachen, die zu einem erneuten „Aufblühen“ der Neurodermitis führen.

Stillen kann das Baby vor Allergien schützen

Ob eine Neurodermitis tatsächlich durch bestimmte Lebensmittel ausgelöst bzw. verstärkt werden kann, sorgt in der Fachwelt nach wie vor für hitzige Diskussionen. Konsens besteht hingegen weitgehend darüber, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung einer Neurodermitis im Kleinkindalter spielen. Dementsprechend wird Frauen mit familiärer Vorbelastung immer wieder angeraten, ihr Baby mindestens sechs Monate voll zu stillen, um die Kinder möglichst lange vor eventuell allergieauslösenden Eiweißen zu schützen und das Immunsystem sowie die Darmflora positiv zu beeinflussen.

Können oder wollen Frauen nicht stillen, sollte stattdessen eine „hypoallergene“ Babynahrung gefüttert werden, welche auf den Verpackungen an dem Kürzel „H. A.“ erkennbar ist. Die Einführung der sogenannten „Beikost“ sollte im Anschluss sehr langsam und behutsam stattfinden, indem Woche für Woche nur ein neues Lebensmittel eingeführt wird, um bereits hier mögliche Unverträglichkeiten entdecken zu können. Ab dem ersten Geburtstag können dann auch glutenhaltige Getreide wie z.B. Hafer oder Dinkel sowie Kuhmilch getestet werden, Eier, Nüsse und Fisch sollten genetisch vorbelastete Kinder jedoch besser erst ab zwei Jahren essen.

Stillen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten kann das Kind vor einer Neurodermitis schützen. (Bild: Tomsickova/fotolia.com)

Symptome im Jugend- und Erwachsenenalter

In einigen Fällen bleibt die Hauterkrankung über die Pubertät hinaus bestehen, wobei die Symptomatik bei Jugendlichen und Erwachsenen ähnlich zu der im Kindheitsalter ist. Auch hier zeigen sich die Ekzeme typischerweise an den Beugeseiten („Beugenekzeme“) der Extremitäten (Ellenbeugen, Kniekehlen) sowie häufig auch am Hals, im Augen- und Stirnbereich. In schwereren Fällen kann hier ebenfalls der ganze Körper von den Hautveränderungen betroffen sein. Ebenso sind Sonder- oder Minimalformen des atopischen Ekzems möglich, wie zum Beispiel eine meist doppelseitige Entzündung der Lippen mit Rötung, Brennen und kleinen Hautrissen im Bereich der Mundwinkel (Cheilitis). Des Weiteren können auch Risse zwischen den Fingern oder hinter dem Ohrläppchen, rissige Fingerkuppen (Pulpitis sicca) oder Brustwarzenekzeme auftreten.

Auch im Erwachsenenalter lassen sich akute Phasen mit deutlich sichtbaren Hautrötungen, Bläschen und massivem Juckreiz von chronischen Phasen abgrenzen. In den letzteren ist die Haut zwar nicht mehr so stark gerötet, dennoch durch eine verminderte Talgproduktion teilweise extrem trocken und spröde, was ebenfalls oft zu starkem Juckreiz führt. Durch das ständige Kratzen kommt es im Laufe der Zeit zu dickeren, lederartigen Verdickungen, der so genannten „Elefantenhaut“ (Lichenifikation), wodurch die betroffenen Hautbereiche nur noch in seltenen Fällen nässen.

Mögliche Begleitsymptome sind außerdem eine doppelte Lidfalte (Dennie-Morgan-Falte), Blässe um den Mund herum (Periorale Blässe, auch „Milchbart“ genannt) und eine Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen (Hertoghe’sches Zeichen). Darüber hinaus tritt häufig auch der sogenannte „weiße Dermographismus“ auf, womit die Fähigkeit der Haut bezeichnet wird, auf äußere Reizungen wie zum Beispiel Druck durch einen Holzspatel oder Temperaturwechsel, weiß zu werden, wohingegen es bei gesunde Menschen zu einer Rotfärbung (roter Dermographismus) kommt.

Neben den oft unerträglichen Juckreizschüben besteht in den meisten Fällen bei erwachsenen Neurodermitikern eine Sensibilisierung gegen bestimmte Allergene wie beispielsweise Pollen, Nüsse, Kuhmilch, Soja und Weizenmehl. Hinzu kommen häufig Unverträglichkeiten gegenüber Zusatzstoffen (z.B. Konservierungsstoffe, Aromen, Farbstoffe) in Lebensmitteln und/oder Chemikalien (in Kleidung, Reinigungsmitteln, Waschmittel, Weichspüler etc.). Sehr oft sind erwachsene Neurodermitiker außerdem von Heuschnupfen und Bronchitis betroffen.

Erwachsenen Neurodermitiker leiden häufig zusätzlich unter Allergien. (Bild: airborne77/fotolia.com)

Begleiterkrankungen

Patienten mit Neurodermitis leiden häufig unter starkem Juckreiz, dem viele – gerade die Jüngeren – auch mal nachgeben. Manche kratzen sich auch im Schlaf, ohne darüber Kontrolle zu haben. Durch das Kratzen wird die Haut verletzt und bietet Eintrittstore für Bakterien, Viren und Pilzen. Deshalb treten bei Neurodermitis häufig folgende Begleiterkrankungen durch Infektionen auf:

  • Durch Staphylokokken hervorgerufene Erkrankungen wie beispielsweise Furunkel oder Eiterbeulen (Karbunkel)
  • Atopische Keratoconjunctivitis (Binde- und Hornhautentzündung im Auge
  • Durch Viren verursachter Herpes oder Dellwarzen
  • Ekzeme, die durch Pilze ausgelöst werden wie das Seborrhoische Ekzem
  • Herz- und Kreislaufprobleme durch erhöhte Eiweißverluste der Haut
  • Erhöhtes Asthma-Risiko
  • Psychische Auffälligkeiten wie Ängste oder Depressionen

Neurodermitis Behandlung

Da die genetische Veranlagung für atopische Erkrankungen ein Leben lang besteht, kann Neurodermitis nicht ursächlich geheilt werden. Stattdessen geht es bei der Therapie vor allem darum, die Symptome zu behandeln, um dadurch die Beschwerden zu lindern. Die Behandlungsmethoden sind dabei äußerst vielfältig und es besteht keine Standardtherapie. Vielmehr erfolgen die einzelnen Maßnahmen in Abhängigkeit des individuellen Beschwerdebildes bzw. des Verlaufs und der Schwere der Erkrankung.

Zentral ist bei der Behandlung neben der Basispflege durch regelmäßiges Eincremen der Haut die Vermeidung von Risikofaktoren bzw. Umwelteinflüssen, welche im Laufe der Erkrankung als Auslöser für Krankheitsschübe erkannt wurden wie beispielsweise bestimmte Lebensmittelzusätze, Duftstoffe, Gewebe oder Reinigungs- und Waschmittel. Dementsprechend sollte z.B. bei einer vermuteten Reaktion auf das bisherige Waschmittel ein Alternativ-Produkt ohne reizende Zusatzstoffe ausprobiert oder bei einer Überempfindlichkeit auf Wolle besser auf andere Stoffe wie z.B. Baumwolle umgestiegen werden.

Medikamente gegen die Symptome

Während eines akuten Schubs mit starken Entzündungen kommen zur Behandlung der atopischen Dermatitis meist Medikamente zum Einsatz, durch welche die Aktivität des Immunsystems reduziert werden kann.

(Bild: eenevski/fotolia.com)
Cremes mit Kortison, Tacrolimus oder Pimecrolimus zur lokalen Behandlung besonders stark betroffener Stellen können Linderung verschaffen. (Bild: eenevski/fotolia.com)

Kortison
Hier stellt nach wie vor Kortison das Standardmedikament dar, welches entzündungshemmend wirkt und den Juckreiz lindert, wodurch es normalerweise recht schnell zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden kommt. Kortison darf jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden, da bei einer sehr langen Anwendung das Risiko besteht, dass sich die Haut verdünnt oder bestimmte Hautveränderungen auftreten.

Kortison-Produkte sollten nicht dauerhaft angewandt werden, vor allem, wenn die Haut bereits sehr dünn ist. Generell gilt, dass die Creme nur ganz fein auf die Haut aufgetragen und der Einsatz nicht abrupt gestoppt werden sollte, da es sonst zu einem heftigen Wiederauftreten der Hauptsymptome kommen kann. Stattdessen sollten die Betroffenen die Dosis der verschriebenen Arznei langsam reduzieren („ausschleichen“) – allerdings wiederum nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Tacrolimus und Pimecrolimus
Alternativ zu Kortison werden seit einigen Jahren zudem die Calcineurin-Inhibitoren „Tacrolimus“ und „Pimecrolimus“ verschrieben, die sich in Form einer Creme vor allem zur lokalen Behandlung empfindlicher Hautstellen eignen. Vorteil ist hier, dass die Haut nach dem derzeitigen Kenntnisstand auch bei längerer Verwendung nicht ausdünnt. Dennoch können auch bei diesen Präparaten Nebenwirkungen wie Brennen, Juckreiz, Hitzegefühl und Rötungen nach dem Auftragen auftreten. Daher werden diese Stoffe erst für Patienten ab dem Alter von drei Jahren empfohlen sowie Mittel mit 0,1-prozentigem Tacrolimus sogar erst ab dem 17. Lebensjahr.

Antibiotika und Antimykotika
Parallel können bei der Behandlung – je nach Fall – eine Reihe weiterer Maßnahmen unterstützend eingesetzt werden. Kommt es durch die aufgekratzten Hautstellen beispielsweise zu einer Infektion mit Bakterien oder Pilzen, werden teilweise auch Antibiotika und Antimykotika (Anti-Pilzmittel) verordnet, wobei auch diese nur über einen kurzen Zeitraum verwendet werden sollten.

Antihistaminika
Gegen allergische Beschwerden können zudem bestimmte oral verabreichte Antihistaminika helfen, welche die Wirkung des Botenstoffs Histamin unterdrücken und dadurch den Juckreiz lindern. Eine weitere häufig angewendete Maßnahme zur Linderung der Entzündungen ist die Lichttherapie (Phototherapie), bei welcher durch UV-Licht Entzündungszellen gehemmt werden und der Juckreiz ebenfalls gelindert wird. Bestrahlungen mit UV-Licht sollten jedoch nicht bzw. nur in Ausnahmefällen bei Kindern im Alter unter 12 Jahren angewendet werden, denn diese bergen – ebenso wie das Sonnenlicht – das Risiko für Hautkrebs.

Körperpflege mit geeigneten Cremes

Besonders wichtig bei der Behandlung ist die tägliche Hautpflege, um die strapazierte und empfindliche Haut zu stärken und widerstandsfähiger gegenüber Reizungen und äußeren Einflüssen zu machen. Je nachdem, welche Symptome auftreten und wie stark diese sind, stehen dabei unterschiedliche Cremes oder Lotionen zur Verfügung, durch welche die Beschwerden gelindert werden können. Ist die Haut nur trocken und teilweise gerötet, ansonsten aber ekzemfrei, eignen sich für die Versorgung mit Fett und Feuchtigkeit am besten Lotionen aus Öl und Wasser. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, eher fettiger als zu feucht zu cremen, um einem zusätzlichen Flüssigkeitsverlust und damit noch trockenerer Haut vorzubeugen.

Körperpflege mit geeigneten Cremes kann die Symptome der Neurodermitis mildern. (Bild: Milton Oswald/fotolia.com)

Salben mit Zink, Nachtkerzenöl, Harnstoff oder Johanniskrautextrakt
Für die Feuchtigkeitsversorgung sowie bei leichten Verletzungen durchs Kratzen bieten sich auch Cremes bzw. Salben mit Zink, Nachtkerzenöl, Harnstoff oder Johanniskrautextrakt an. Bei Juckreiz hilft in vielen Fällen die Einnahme von Antihistaminika, aber auch Zinkoxidpulver sowie Cremes mit Polidocanol, Ballonrebe oder Aloe Vera können eine sehr positive Wirkung erzielen. Ist die Haut entzündet und nässt, sollten Betroffene eher zu wasserhaltigen Cremes („Öl-in-Wasser“) greifen, um die Haut ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen und durch die Verdunstungskälte die Symptome zu lindern.

Seife vermeiden
Vermieden werden sollte auf jeden Fall die Verwendung von Seife, da diese der Haut noch mehr Fett entzieht und die Zerstörung des Schutzmantels begünstigt wird. Auch sollte vor der Verwendung von Pflegeprodukten unbedingt sorgfältig das Etikett geprüft werden, denn Inhaltsstoffe wie ethoxylierte Alkohole bzw. andere Ethoxylate („PEGs“), Natriumlaurylsulfat (INCI: Sodium Lauryl Sulfate), Parfüm und Konservierungsstoffe können der Haut zusätzlich schaden und sollten daher nicht enthalten sein.

Stattdessen empfiehlt es sich, pH-neutrale und seifenfreie Lotionen zum Waschen zu verwenden. Auch sollte nicht zu häufig geduscht bzw. gebadet werden, um die Haut nicht unnötig zu strapazieren. Da Neurodermitis-Betroffene zusätzlich oft an Pollenallergien und Heuschnupfen leiden, ist es außerdem ratsam, abends zu duschen, damit die Pollen von Haut und Haaren abgewaschen und dadurch nicht weiter in Wohnung, Bett etc. verteilt werden können.

Ob im Einzelfall eher eine Creme, Salbe oder Lotion empfehlenswert ist, hängt vom Zustand der Haut und den betroffenen Hautstellen, aber auch von der Jahreszeit und dem Alter der Patienten ab. Dementsprechend sollte der Einsatz von Pflegeprodukten im Vorfeld immer mit einem Arzt besprochen werden, um zusätzliche Reizungen der Haut zu vermeiden und eine bestmögliche Linderung der Beschwerden zu erreichen.

Neurodermitis Ernährung

Es gibt zwar keine spezielle Neurodermitis-Diät, dennoch lindert eine Ernährungsumstellung bei vielen Patienten die Symptome. Um herauszufinden, welche Lebensmittel dem Körper eventuell schaden, eignet sich eine allergenarme „Suchkost“, bei der sich für etwa sechs bis acht Wochen ausschließlich von allergen- und reizarmen Lebensmitteln ernährt wird.

Dementsprechend sind für diese Zeit auch Fertigprodukte tabu, da bei diesen die Inhaltsstoffe oft nicht genau ersichtlich sind. Nach Ende der enthaltsamen Zeit wird der Speiseplan nach und nach wieder erweitert, indem etwa alle zwei bis drei Tage etwas Neues hinzukommt. So kann genau erkannt werden, ob beziehungsweise wogegen eine Unverträglichkeit besteht.

Ein Symptom-Tagebuch anlegen

Um die Verträglichkeit der einzelnen Nahrungsmittel auszuwerten, eignet sich das Führen eines Tagebuchs, durch welches Betroffene den eigenen Ernährungsstil leicht überprüfen und bei Bedarf ändern können. Entscheidend ist, dass diese „Suchdiät“ systematisch und konsequent durchgeführt wird, da es oft sehr schwierig ist, relevante Ernährungsfaktoren zu identifizieren und keine allgemeingültige Liste mit „schädlichen“ Nahrungsmitteln besteht.

Um sich die tatsächliche Auslöser bewusst zu machen, ist das Führen eines Symptom-Tagebuchs empfehlenswert. (Bild: okkijan2010/fotolia.com)

Da eine Vielzahl verschiedener Faktoren bei Neurodermitis eine Rolle spielt, ist es sinnvoll, die individuellen Auslöser der Schübe besser ausfindig zu machen. Auch hier kann das Führen eines Symptom-Tagebuchs helfen. Dazu sollten täglich alle Faktoren stichpunktartig festgehalten werden, die Einfluss auf die Krankheit haben könnten. Außerdem sollte die Art und Stärke der aufgetretenen Symptome dokumentiert werden. Zu den Eintragungen sollte gehören:

  • Datum
  • Essen und Trinken
  • Eingenommene Medikamente
  • Allgemeines Befinden (Stress, Druck, Emotionen)
  • Umwelteinflüsse (Hitze, Kälte, Lärm)
  • Welche Symptome sind wie stark aufgetreten?
  • Welche Lebensmittel werden tendenziell gut vertragen?

    Es zeigt sich immer wieder, dass es bestimmte Lebensmittel gibt, die von vielen Betroffenen gut bzw. weniger gut vertragen werden. So gehören zu den erfahrungsgemäß gut verträglichen Dingen beispielsweise Reis, Mais, Hirse, Hafer, Nudeln ohne Ei, Milchprodukte von Ziege und Schaf, Fleisch von Rind oder Huhn sowie unter anderem Blattsalate, Blumenkohl, Brokkoli, Erbsen, Kartoffeln, Spinat und Kürbis.

    Welche Lebensmittel werden tendenziell schlecht vertragen?
    Probleme bereiten hingegen beispielsweise häufig Weizen, Roggen, Hühnereier, Kuhmilch und -produkte, Schweinefleisch und Fisch sowie Möhren, Paprika, Knoblauch, Sauerkraut und Tomaten. Auch Kiwi, Pfirsiche, Rhabarber, Erdbeeren und Zitrusfrüchte sowie Nüsse, Erdnüsse, Alkohol und Kaffee bereiten vielen Betroffenen Probleme und sollten daher wie die anderen allergenreichen Lebensmittel auch bei der Suchdiät zunächst weggelassen und dann nach und nach auf ihre Verträglichkeit hin getestet werden.

    Eine ausgewogene Ernährung stärkt das Immunsystem
    Nach der Identifizierung möglicher Unverträglichkeiten, sollte die Ernährung mit den anderen Lebensmitteln vor allem ausgewogen und vollwertig sein, um den Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen und dadurch das geschwächte Immunsystem zu stärken. In diesem Sinne sollten bei guter Verträglichkeit nach Möglichkeit jeden Tag Milch- und Vollkornprodukte, reichlich Gemüse und Obst sowie ein bis zwei Mal wöchentlich Fisch sowie nicht öfter als zwei bis drei Mal wöchentlich Fleisch und Wurstwaren auf dem Speiseplan stehen.

    Werden Obst und Gemüse roh nicht gut vertragen, kann eventuell ein kurzes Andünsten Abhilfe schaffen. Außerdem sollte beim Öl in erster Linie zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie z.B. Sonnenblumen-, Traubenkern- oder Leinöl gegriffen werden, da diese für die Gesundheit des gesamten Organismus unerlässlich sind. Auch eine erhöhte Trinkmenge ist bei Neurodermitis wichtig, da die trockene Haut deutlich mehr Flüssigkeit verliert als bei Nicht-Betroffenen. Dementsprechend sollten täglich mindestens drei Liter getrunken werden, idealerweise Wasser und ungesüßter Tee.

    Naturheilkunde bei Neurodermitis

    Neben den „klassischen“ Behandlungsmethoden mit Medikamenten und der entsprechenden Hautpflege eignen sich auch verschiedene Naturheilverfahren, um die Symptome zu lindern. In vielen Fällen hat sich beispielsweise die Hydrotherapie nach Sebastian Kneipp (Kaltanwendungen, Quarkwickel, Warmbäder mit rückfettenden Ölen etc.) bewährt, durch welche das Immunsystem gestärkt, die natürliche Hautfunktion aktiviert sowie die Entspannung gefördert wird.

    Kneipp´sche Anwendungen der Hydrotherapie können auch bei Neurodermitis helfen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

    Die Colon-Hydro-Therapie
    Auch das „Darm-Kneippen“ besser bekannt unter dem Namen „Darmspülung“ hat aufgrund der gesundheitsfördernden Wirkung seit jeher einen festen Platz in der Naturheilkunde, wobei heute häufig die so genannte „Colon-Hydro-Therapie“ (CHT) eingesetzt wird (griechisch „Colon“ für Dickdarm und „Hydro“ für Wasser). Diese moderne Variante des klassischen Einlaufs hat sich mittlerweile in vielen Fällen bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Akne als hilfreich erwiesen. Am häufigsten wird sie jedoch bei Verdauungsproblemen wie Verstopfung oder einem Blähbauch oder bei einem gestörten Stoffwechsel beispielsweise in Folge einer falschen Ernährung oder schädlicher Umwelteinflüsse eingesetzt.

    Ausgangspunkt ist hier die naturheilkundliche Annahme, dass ein gesunder Darm die Grundlage und Voraussetzung für eine gute Gesundheit bildet, weshalb das Ziel der CHT darin besteht, den Darm auf natürliche Weise zu reinigen und schädliche Bakterien sowie Hefepilze auszuspülen. Zu diesem Zweck wird erwärmtes Wasser durch ein Kunststoffröhrchen in den Endarm geleitet, gleichzeitig wird die Bauchdecke sanft massiert, um das Wasser in die betroffenen Bereiche zu leiten.

    Die gelösten Stoffe sowie das Wasser aus dem Darm fließen dann durch ein zweites Rohr direkt in den Abfluss („geschlossenes System“), wodurch unangenehme Gerüche vermieden werden können. Zudem verursacht die Colon-Hydro-Therapie keine Schmerzen und wird normalerweise als sehr wohltuend und „befreiend“ empfunden.

    Pflanzliche Heilmittel

    In der Naturheilkunde kommengegen das atopische Ekzem sehr oft pflanzliche Heilmittel zum Einsatz, welche sowohl innerlich als auch äußerlich angewandt werden. In Frage kommen beispielsweise für eine innere Anwendung ein Tee oder eine Tinktur auf Basis von Hafer, Kerbel oder Rooibos. Für eine äußerliche Anwendung können Heilpflanzen beispielsweise als Umschlag eingesetzt werden, indem ein Tuch mit Kräutertee getränkt wird und nach Bedarf entweder kalt oder heiß auf die betroffene Stelle gelegt wird.

    Neben dem sind Waschungen, Spülungen oder ein Bad mit Tee probate Mittel, ebenso wie natürlich Salben und Cremes, die mehrmals am Tag zur Behandlung betroffener Hautstellen aufgetragen werden. Für die äußere Anwendung eignen sich vor allem Heilpflanzen wie Aloe, Blutweiderich, Kamille oder Schafgarbe, ebenso wie Heidekraut, Hibiskus, Schöllkraut und Ulme.

    Stress bewältigen

    Jede Form von Stress kann prinzipiell den Verlauf der Neurodermitis negativ beeinflussen, weshalb es gerade für Neurodermitiker wichtig ist, einen entsprechenden Umgang mit diesem zu lernen. Hierfür stehen verschiedene Übungen und Maßnahmen zum Stressabbau zur Verfügung. Bewährte Entspannungsverfahren sind zum Beispiel Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Yoga oder Meditation.

    Entspannungstechniken können eine Therapie sinnvoll unterstützen. (Bild: fizkes/fotolia.com)

    Homöopathie gegen Neurodermitis

    Auch die Homöopathie findet häufig Anwendung. Leiden Betroffene zum Beispiel unter chronischen, trockenen Ekzemen, die einen starken, vorwiegend nächtlichen Juckreiz verursachen, hat sich in vielen Fällen Sulfur (D4, D6) bewährt. Bei aufgesprungener und rissiger Haut wird hingegen oft Sepia in der Potenz D6 eingesetzt – gerade wenn die Beschwerden an der frischen Luft besser, aber durch Wärme schlechter werden.

    Auch Arsenicum album kommt häufig bei Neurodermitis in der Potenz D6 zum Einsatz, vor allem bei rauer, trockener, schuppiger Haut, einem nachts schlimmer werdenden Brennen und Hautjucken sowie bei innerer Unruhe. Bei Kindern wird im Falle von Entzündungen der Haut, trockenem Ausschlag, Milchschorf sowie Hautbrennen und Juckreiz oft Calcium carbonicum in der Potenz D12 empfohlen, insbesondere wenn sich die Symptome bei kalter Luft bessern und bei feuchtem Wetter verschlechtern.

    Ist der Hautausschlag hingegen eher nässend, werden zum Beispiel Dulcamara oder Kreosotum verwendet. Bewährt hat sich im Falle von immer wieder kehrenden dunkelroten, feuchten Ekzemen mit Pusteln und Bläschen, die stark jucken und brennen, oft auch Rhus toxicodendron. Weist die Haut Krusten und eitrige Hautauschläge auf, eignet sich überdies auch Calcium sulfuricum (D4,D6) und Graphites (D6) bietet ebenfalls ein hilfreiches Homöopathikum bei harten Krusten mit unterliegendem gelbem, klebrigen Sekret, starkem nächtlichem Juckreiz und brennenden Schmerzen.

    Schüßler-Salze können helfen, wobei die Auswahl des „richtigen“ Mittels davon abhängig ist, ob die Erkrankung akut oder chronisch ist, und wie die Haut bzw. die Absonderungen beschaffen sind. Hauptsächlich werden in der chronischen Phase dennoch das Salz Nr. 2 (Calcium phoshoricum), Nr. 6 (Kalium sulfuricum), Nr. 8 (Natrium chloratum) und Nr. 9 (Natrium phosphoricum) eingesetzt, von denen Erwachsene drei Mal am Tag je 2 Tabletten im Mund zergehen lassen oder in Wasser aufgelöst trinken.

    Für Kinder wird hingegen meist eine Dosierung von drei Mal täglich je einer Tablette empfohlen, welche aufgelöst in ein Glas Wasser getrunken wird. In der akuten Phase mit starkem, oft unerträglichem Juckreiz und entzündlich-roten Hautveränderungen eignet sich vor allem das Schüßler-Salz Nr.3 (Ferrum phosphoricum), welches Erwachsene stündlich in Form einer Tablette im Mund zergehen lassen, während das Heilmittel für Kinder wieder zum Trinken in warmem Wasser aufgelöst wird. Ebenso kann das Salz Nr. 7 (Magnesium phosphoricum D6) bei einem Neurodermitis-Schub helfen – bei starkem Juckreiz vor allem durch die Anwendung als „heiße Sieben“. Hierfür werden acht bis zehn Tabletten in einem Glas heißem Wasser aufgelöst und dann schluckweise getrunken werden.

    Schüssler Salze können manchen Neurodermitikern auf helfen, die Beschwerden zu lindern. (Bild: monropic/fotolia.com)

    Angesichts der Vielfalt und verschiedenen Anwendungsgebiete sollte die Einnahme von homöopathischen Mitteln und Schüßler Salzen im Vorfeld immer zunächst immer mit einem erfahrenen Homöopathen bzw. Heilpraktiker abgesprochen werden, um das für den Einzelfall richtige Mittel sowie die entsprechende Dosierung und Anwendungsdauer zu bestimmen. Dies gilt insbesondere, wenn betroffene Kinder auf diesem Wege unterstützend behandelt werden sollen, da für sie in den meisten Fällen andere Dosierungen und Darreichungsformen empfohlen werden als für Erwachsene. Dies lässt sich auch für die Bachblütentherapie festhalten, welche ebenfalls häufig mit Erfolg in der Therapie von Neurodermitis eingesetzt wird. Auch hier sind die geeigneten Mittel individuell sehr unterschiedlich.

    Mit Neurodermitis leben lernen

    Neurodermitis als bislang nicht heilbare Erkrankung tritt sehr facettenreich auf und hat dadurch meist nicht nur Auswirkungen auf den Betroffenen selbst. So zeigen sich Außenstehende häufig abgeschreckt durch das ständige Jucken, die Rötungen, Ekzeme und schuppige, krustige Haut und fürchten, sich an den Hautveränderungen anstecken zu können. Hier schließt sich oft der Teufelskreis. Denn durch die Ablehnung kommt es zu Schamgefühlen, Ängsten oder gar sozialem Rückzug, was sich in der Folge wiederum negativ auf den Verlauf der Krankheit auswirkt und die Haut noch stärker „aufblühen“ lässt.

    Denn neben Umweltreizen und Allergenen sind es vor allem psychische Spannungen, welche die Entwicklung der Erkrankung bei entsprechender Veranlagung begünstigen oder einen akuten Schub auslösen können. Psychische Belastungen werden dabei von Person zu Person unterschiedlich empfunden, wobei es nicht nur um „negative“ Emotionen wie Angst, Sorgen oder Wut geht, denn auch positive Ereignisse wie beispielsweise Freude oder Aufregung können sich auf die Haut auswirken.

    Die Vermeidung bestimmter krankheitsbegünstigender Faktoren kann das Leben der Betroffenen deutlich erleichtern. Dabei eignen sich die unterschiedlichen Maßnahmen zur Vorbeugung, aber natürlich auch gerade dann, wenn bereits eine entsprechende Allergie nachgewiesen werden konnte. Wer also beispielsweise gegen Hausstaubmilben allergisch ist, sollte seine Wohnung unbedingt weitestgehend von Milben befreien, z.B. durch den Verzicht auf offene Regale und langflorige Teppichböden, regelmäßiges Staubwischen, milbendichte Matratzenbezüge und kochfeste Bettwäsche.

    Ebenso sollte konsequent darauf geachtet werden, dass sich keine Schimmelpilze in der Wohnung befinden. Besonders wichtig sind daher trockene, gut gelüftete Räume, wobei lieber mehrmals täglich stoßgelüftet werden sollte, anstatt ständig das Fenster auf Kipp zu halten. Darüber hinaus raten Gesundheitsexperten allergiebelasteten Familien dazu, keine Haustiere anzuschaffen sowie Pollen zu vermeiden, da Neurodermitiker auf diese oft mit einer Verschlechterung des Hautbildes reagieren.

    In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich auch, die Kleidung nicht im Schlafzimmer auszuziehen oder dort liegen zu lassen sowie während der Saison abends die Haare zu waschen, um die Pollen nicht noch unnötig weiter zu verteilen. Außerdem sollten bei Neurodermitis nur glatte und fein gewebte Kleidungsstoffe verwendet werden. Nicht zuletzt sollte in Wohnungen und Autos von Betroffenen ein generelles Rauchverbot herrschen, denn Rauchen erhöht das Allergie- und Neurodermitisrisiko deutlich. Auch die Natur kann helfen. Die klimatischen Bedingungen in bestimmten Regionen wie den Bergen oder am Meer wirken sich positiv auf manche Betroffene aus.

    Da Neurodermitis oft Kinder betrifft, ist es für Eltern zudem wichtig, entsprechende Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um mit den zusätzlichen Belastungen (Hautpflege, Ernährungs-Umstellung, Arztbesuche etc.) und dem Leid des Kindes durch Juckreiz, Hautveränderungen und den Folgen des Schlafmangels umgehen zu lernen. Hier bieten spezielle Neurodermitis-Schulungen bei Krankenkassen, Volkshochschulen etc. eine sinnvolle Unterstützung. In diesen werden Betroffenen wertvolle Tipps und Hilfestellungen für ein möglichst unbeschwertes Leben trotz der Erkrankung an die Hand geben und sie lernen, ihrem Kind bestmöglich zur Seite zu stehen. (nr, aktualisiert 21.02.18 vb)

Quellenangaben

  • Leitlinie Neurodermitis der Deutschen Dermatologische Gesellschaft
  • Topische antientzündliche Behandlung der Neurodermitis im Kindesalter (DIMDI, Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information)
  • Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. (DHA)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Neurodermitis bei Kindern
  • Robert Koch-Institut (RKI) Fachblatt Neurodermitis
  • sowie im Text verlinkte Artikel