Neurodermitis – Ursachen, Naturheilkunde und Therapie

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Nina Reese
Bei der Neurodermitis (auch „atopische Dermatitis“) handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Haut, die weit verbreitet ist und etwa 10-20 Prozent der Kinder sowie ca. drei Prozent der Erwachsenen in den industrialisierten Ländern betrifft. Typisch sind vor allem eine trockene, schuppige Haut, Rötungen und Entzündungen sowie ein oft unerträglicher Juckreiz, der sich meist nachts noch verschlimmert und dadurch zu einem sehr belastenden Problem werden kann. Da bei der Entstehung die Gene eine zentrale Rolle spielen, kann diese zwar nicht ursächlich geheilt werden, dennoch bestehen vielfältige Möglichkeiten, die Symptome zu behandeln und dadurch die Beschwerden zu lindern. Hier werden neben Medikamenten wie Cortison und Tacrolimus vor allem Maßnahmen zur Vermeidung von Krankheits-Auslösern (bestimmte Gewebe, Putzmittel etc.), für eine entsprechende Hautpflege und zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen angewendet.

Neben dem bildet die Naturheilkunde einen sinnvollen Begleiter, indem beispielsweise Heilpflanzen wie Kamille oder Aloe Vera, aber auch Verfahren wie die Homöopathie oder eine Darmsanierung helfen können, die Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Neurodermitis Symptome
Neurodermitis Baby
Symptome im Jugend- und Erwachsenenalter
Ursachen
Neurodermitis Behandlung
Neurodermitis Creme
Neurodermitis Ernährung
Naturheilkunde bei Neurodermitis
Mit Neurodermitis leben lernen

Definition

Als „Neurodermitis“ wird eine entzündliche, meist chronisch verlaufende Hauterkrankung bezeichnet, die typischerweise in Schüben auftritt und 10-20 Prozent der Kinder und etwa drei Prozent der Erwachsenen betrifft. Die Erkrankung zählt zu den sogenannten „atopischen Krankheiten“ und wird daher auch „atopisches Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“ genannt, wobei mit dem Begriff „atopisch“ in der Medizin eine erblich bedingte Neigung des Körpers bezeichnet wird, überempfindlich auf Substanzen der Umwelt zu reagieren. Das Risiko steigt dementsprechend, wenn bereits die Eltern bzw. ein Elternteil betroffen ist, zudem erkranken Betroffene parallel auch schneller an anderen atopischen Krankheiten wie Asthma bronchiale oder Heuschnupfen.

Kennzeichnend für die Erkrankung ist in erster Linie ein Juckender Hautausschlag, wobei vor allem Kopfhaut, Gesicht und Hände betroffen sind. Doch die teilweise extrem trockene und entzündete Haut sowie der starke Juckreiz können für die Betroffenen nicht nur körperlich zu einer echten Qual werden, auch die Psyche leidet bei dieser Erkrankung oft stark. Denn auch wenn die Hautprobleme genetisch bedingt und dadurch nicht übertragbar bzw. ansteckend sind, erschrecken sich Mitmenschen nicht selten beim Anblick der schuppigen, roten und teilweise offenen Stellen am Körper, was bei Neurodermitikern oft Gefühle wie Scham, Unsicherheit oder Angst auslöst sowie in schweren Fällen sogar sozialen Rückzug bzw. Abbruch von Kontakten zur Folge hat.

Unterschieden wird bei der atopischen Dermatitis zwischen der intrinsischen und der extrinsischen Variante: Die so genannte „extrinsische Form“ ist allergisch bedingt, was bedeutet, dass ein eindeutiger Zusammenhang mit einer Immunreaktion des Körpers auf Allergene besteht, welche über die Atemluft oder die Nahrung aufgenommen werden. Hier gelten Hühnerei-Allergien als wichtigste Auslöser, gefolgt von Birkenpollen, Kuhmilch, Soja, Nüssen, Fisch und Weizen. Erkennbar ist dieser Zusammenhang vor allem anhand der erhöhten Konzentration von Immunglobuline E (auch „IgE-Antikörper“ genannt) im Blutserum der Menschen, die an der extrinsischen Form leiden. Es fallen auch Allergietests auf der Haut („Prick-Tests“) in diesem Fall oft positiv aus, weswegen medizinisch auch von einer „IgE-vermittelten Variante der Neurodermitis“ gesprochen wird.

Bei der „intrinsischen“ Variante besteht dieser Zusammenhang mit allergischen Reaktionen hingegen nicht, zudem sind hier auch die IgE-Antikörper-Werte im Blutserum normal, wodurch sich nur eine „leichte“ Form der Neurodermitis ausbildet, die ohne zusätzliche Allergien der Atemwege auftritt. Bei den meisten Betroffenen (60 bis 70% der Fälle) handelt es sich um die extrinsische Variante der atopischen Dermatitis, während der Anteil der Patienten mit intrinsischer Form vergleichsweise gering ist (30 bis 40%) – dementsprechend spielen also nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen allergische Reaktionen keine Rolle, die Haut reagiert jedoch in beiden Fällen mit den weitgehend gleichen Erscheinungen.

Neurodermitis Symptome

Die Symptome können von Fall zu Fall ganz unterschiedlich sein und variieren je nach Alter der Betroffenen zum Teil stark. Typisch ist jedoch, dass die Erkrankung generell in Schüben auftritt und sich dadurch Phasen ohne jegliche Beschwerden mit solchen, in denen es zu unerträglichem Juckreiz und massiven Hautveränderungen kommt, schnell abwechseln können.

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Bei starker Neurodemitis drohen Komplikationen durch die Schäden der Haut. Bild: casi/fotolia.com

Neurodermitis Baby

Auch wenn ein erstes Auftreten der atopischen Dermatitis generell bis ins höhere Alter möglich ist, zeigen sich die ersten Hautveränderungen meist bereits im Kleinkindalter. Während sich die Neurodermitis bei etwa einem Drittel der Kinder im Laufe der ersten Lebensjahre wieder zurückbildet und schließlich ganz verschwindet, nimmt die Krankheit in anderen Fällen wiederum einen sehr langwierigen und unangenehmen Verlauf. Dies gilt vor allem für Kinder, die parallel z.B. an einer Hühnerei- oder Kuhmilchallergie leiden, denn hier kommt es häufig im späteren Alter zu weiteren allergischen Erkrankungen wie zum Beispiel Heuschnupfen oder Asthma.

Erstes Anzeichen einer Neurodermitis bei Kindern ist oft der sogenannte „Milchschorf“, ein Hautausschlag, der sich auf der Kopfhaut und im Gesicht, aber auch an den Beugefalten der Gelenke wie Kniekehle und Ellenbogen bildet und für starkes Kopfjucken sorgen kann. Die Bezeichnung „Milchschorf“ geht dabei auf die Ähnlichkeit der Hautveränderungen mit verbrannter bzw. verkrusteter Milch zurück, ist dabei aber etwas irreführend, da dieser nicht unbedingt mit einer Milch-Unverträglichkeit in Zusammenhang steht.

Typischerweise ist die Haut im Säuglingsalter zunächst gerötet, nässt und teilweise mit Schuppenkrusten bedeckt. Im weiteren Verlauf entwickeln sich aus diesen Hautveränderungen häufig stark juckende schuppige Ekzeme, die in erster Linie Gesicht, Ohren und andere Kopf-Bereiche betreffen, bei Kleinkindern zeigen sie diese besonders häufig in den Gelenkbeugen der Arme und Beine, am Hals und an den Händen. Mit zunehmendem Alter wird die Haut außerdem dicker und gröber, auch Verkrustungen sind typisch, ebenso wie stark juckende Knötchen. Während der akuten Schübe können sich die Ekzeme auf die gesamte Haut ausweiten, besonders quälend ist für das Kind in jedem Alter zudem der damit verbundene Juckreiz, der oft permanent besteht und gerade nachts unerträglich werden kann. Da dieser Reiz nur schwer zu unterdrücken ist, entsteht schnell ein Teufelskreis, denn beginnt das Kind intensiv zu kratzen, können Bakterien und Viren in die ohnehin bereits geschädigte Haut eindringen und dort wiederum Infektionen verursachen die zu einem erneuten „Aufblühen“ der Neurodermitis führen.

Symptome im Jugend- und Erwachsenenalter

In einigen Fällen bleibt die Hauterkrankung über die Pubertät hinaus bestehen, wobei die Symptomatik bei Jugendlichen und Erwachsenen ähnlich zu denen im Kindheitsalter sind. Auch hier zeigen sich die Ekzeme typischerweise an den Beugeseiten („Beugenekzeme“) der Extremitäten (Ellenbeugen, Kniekehlen), häufig aber auch am Hals und im Augen- und Stirnbereich. In schwereren Fällen kann aber auch der ganze Körper von den Hautveränderungen betroffen sein. Ebenso sind auch Sonder- oder Minimalformen des atopischen Ekzems möglich, wie zum Beispiel eine meist doppelseitige Entzündung der Lippen mit Rötung, Brennen und kleinen Hautrissen im Bereich der Mundwinkel (Cheilitis). Neben dem können auch Risse zwischen den Fingern oder hinter dem Ohrläppchen, rissige Fingerkuppen (Pulpitis sicca) oder Brustwarzenekzeme auftreten.

Auch im Erwachsenenalter lassen sichakute Phasen mit deutlich sichtbaren Hautrötungen, Bläschen und massivem Juckreiz von chronischen Phasen abgrenzen. In den letzteren ist die Haut zwar nicht mehr so stark gerötet, dennoch durch eine verminderte Talgproduktion teilweise extrem trocken und spröde, was ebenfalls oft zu starkem Juckreiz führt. Durch das ständige Kratzen kommt es im Laufe der Zeit zu dickeren, lederartigen Verdickungen, der so genannten „Elefantenhaut“ (Lichenifikation), wodurch die betroffenen Hautbereiche nur noch in seltenen Fällen nässen. Mögliche Begleitsymptome sind außerdem eine doppelte Lidfalte (Dennie-Morgan-Falte), Blässe um den Mund herum (Periorale Blässe, auch „Milchbart“ genannt) und eine Ausdünnung der seitlichen Augenbrauen (Hertoghe’sches Zeichen). Darüber hinaus tritt häufig auch der sogenannte „weiße Dermographismus“ auf, womit die Fähigkeit der Haut bezeichnet wird, auf äußere Reizungen wie zum Beispiel Druck durch einen Holzspatel oder Temperaturwechsel, weiß zu werden, wohingegen es bei gesunde Menschen zu einer Rotfärbung (roter Dermographismus) kommt.

Neben den oft unerträglichen Juckreizschüben besteht in den meisten Fällen bei erwachsenen Neurodermitikern eine Sensibilisierung gegen bestimmte Allergene wie beispielsweise Pollen, Nüsse, Kuhmilch, Soja und Weizenmehl. Hinzu kommen häufig Unverträglichkeiten gegenüber Zusatzstoffen (z.B. Konservierungsstoffe, Aromen, Farbstoffe) in Lebensmitteln und/oder Chemikalien (in Kleidung, Reinigungsmitteln, Waschmittel, Weichspüler etc.), sehr oft sind erwachsene Neurodermitiker außerdem von Heuschnupfen und Bronchitis betroffen.

Ursachen

Der Begriff „Neurodermitis“ leitet sich aus dem Griechischen ab („neuron“ für Nerv / Nervenzelle, „derma“ für Haut und die Endung „-itis“ für Entzündung) und stammt noch aus dem 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der angenommen wurde, dass die Hauterkrankung durch eine Nervenentzündung verursacht wird. Heute wird stattdessen davon ausgegangen, dass bei der Entwicklung einer Neurodermitis sowohl erbliche als auch äußere Einflussfaktoren zusammenspielen. Die Krankheit gehört in den Formenkreis der sogenannten „atopischen Erkrankungen“, worunter eine angeborene Bereitschaft verstanden wird, überempfindlich auf natürliche oder künstliche Umweltstoffe zu reagieren.

Die atopischen Erkrankungen, zu denen auch allergisches Asthma bronchiale und pollenbedingter allergischer Schnupfen (Heuschnupfen) zählen, treten familiär gehäuft auf, was bedeutet, dass das Erkrankungs-Risiko für Kinder erheblich steigt, wenn ein oder sogar beide Elternteil(e) ebenfalls betroffen ist/sind. Die genetische Disposition bezieht sich hier auf die natürliche Barrierefunktion der Haut. Diese ist bei Neurodermitikern durch einen Mangel an bestimmten Eiweißen gestört und kann dadurch keinen wirksamen Schutz mehr gegen Feuchtigkeitsverlust, Wind, Kälte, Sonne sowie andere äußere Reize (z.B. Schmutz, Waschmittel) und eindringende Krankheitserreger bieten. In der Folge trocknet die Haut durch die geringe Wasserbindungsfähigkeit sehr schnell aus, zudem gelangen Erreger durch die gestörte Barrierefunktion in die Haut und können dort die Entzündung unterhalten bzw. sogar noch deutlich verstärken.

Doch nicht bei jedem, der die Anlage in sich trägt, entwickelt sich automatisch eine atopische Dermatitis. Stattdessen scheinen auch nicht-allergische Umweltfaktoren eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Erkrankung zu spielen, in den meisten Fällen spielen zudem mehrere Faktoren zusammen, was die Suche nach dem Auslöser der Neurodermitis oft sehr schwierig und langwierig werden lässt. Zu den Faktoren, durch die typische Symptome hervorgerufen werden könne, zählen unter anderem allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe bestimmter Nahrungsmittel (zum Beispiel Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Erdnuss), Blütenpollen, Tierhaare, Hausstaub sowie eine Reizung der Haut beispielsweise durch Wolle oder bestimmte Dusch- und Waschmittel, Kosmetika, Chemikalien oder Putzmittel. Darüber hinaus können aber auch bestimmte klimatische Bedingungen (extreme Kälte, Trockenheit etc.) oder Umweltgifte (Ozon, Tabakrauch o.ä.) Einfluss auf den Ausbruch bzw. die Entwicklung der Erkrankung haben, ebenso wie zum Beispiel häufiges Waschen, da dies das Austrocknen der Haut begünstigt.

Von vielen Experten ein enger Zusammenhang mit dem Immunsystem und der seelischen Gesundheit des Menschen gesehen. Dabei spielt die Psyche hier in doppelter Hinsicht eine zentrale Rolle: Zum einen können seelische Belastungen, Stress, Druck und dauerhafte Anspannung einen Schub auslösen, zum anderen stellen die meist sichtbaren Hautveränderungen sowie der starke Juckreiz selbst eine eine psychische Belastung dar, durch welche es häufig zu Ängsten, Schamgefühlen oder sogar sozialem Rückzug kommt. In der Folge wirkt sich dies negativ auf den Verlauf der Krankheit aus, die Haut „blüht“ noch stärker und die Betroffenen geraten in einen „Teufelskreis“, der sich oft nur schwer aufbrechen lässt.

Neurodermitis Behandlung

Da die genetische Veranlagung für atopische Erkrankungen ein Leben lang besteht, kann Neurodermitis nicht ursächlich geheilt werden. Stattdessen geht es bei der Therapie vor allem darum, die Symptome zu behandeln, um dadurch die Beschwerden zu lindern. Die Behandlungsmethoden sind dabei äußerst vielfältig und es besteht keine Standardtherapie, vielmehr erfolgen die einzelnen Maßnahmen in Abhängigkeit des individuellen Einzelfalls, bzw. dem Verlauf und der Schwere der Erkrankung. Zentral ist bei der Behandlung neben der Basispflege durch regelmäßiges Eincremen der Haut die Vermeidung von Risikofaktoren bzw. Umwelteinflüssen, welche im Laufe der Erkrankung als Auslöser für Krankheitsschübe erkannt wurden, wie beispielsweise bestimmte Lebensmittelzusätze, Duftstoffe, Gewebe oder Reinigungs- und Waschmittel. Dementsprechend sollte z.B. bei einer vermuteten Reaktion auf das bisherige Waschmittel ein Alternativ-Produkt ohne reizende Zusatzstoffe ausprobiert oder bei einer Überempfindlichkeit auf Wolle besser auf andere Stoffe wie z.B. Baumwolle umgestiegen werden.

Während eines akuten Schubs mit starken Entzündungen kommen zur Behandlung der atopischen Dermatitis meist Medikamente zum Einsatz, durch welche die Aktivität des Immunsystems reduziert werden kann. Hier stellt nach wie vor Kortison das Standardmedikament dar, welches entzündungshemmend wirkt und den Juckreiz lindert, wodurch es normalerweise recht schnell zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden kommt. Kortison darf jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden, da bei einer sehr langen Anwendung das Risiko besteht, dass sich die Haut verdünnt oder bestimmte Hautveränderungen auftreten.

Kortison-Produkte sollten nicht dauerhaft angewandt werden, vor allem, wenn die Haut bereits sehr dünn ist. Generell gilt, dass die Creme nur ganz fein auf die Haut aufgetragen und der Einsatz nicht abrupt gestoppt wird, da es sonst zu einem heftigen Wiederauftreten der Hauptsymptome kommen kann. Stattdessen sollten die Betroffenen die Dosis der verschriebenen Arznei langsam reduzieren („ausschleichen“) – allerdings wiederum nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Alternativ zu Kortison werden seit einigen Jahren zudem die Calcineurin-Inhibitoren „Tacrolimus“ und „Pimecrolimus“ verschrieben, die sich in Form einer Creme vor allem zur lokalen Behandlung empfindlicher Hautstellen eignen. Vorteil ist hier, dass die Haut nach dem derzeitigen Kenntnisstand auch bei längerer Verwendung nicht ausdünnt, dennoch können auch bei diesen Präparaten Nebenwirkungen wie Brennen, Juckreiz, Hitzegefühl und Rötungen nach dem Auftragen auftreten. Daher werden diese Stoffe erst für Patienten ab 3 Jahren empfohlen sowie Mittel mit 0,1-prozentigem Tacrolimus sogar erst ab dem 17. Lebensjahr.

Parallel können bei der Behandlung je nach Fall eine Reihe weiterer Maßnahmen unterstützend eingesetzt werden. Kommt es durch die aufgekratzten Hautstellen beispielsweise zu einer Infektion mit Bakterien oder Pilzen, werden teilweise auch Antibiotika und Antimykotika (Anti-Pilzmittel) verordnet – wobei auch diese nur über einen kurzen Zeitraum verwendet werden sollten. Gegen allergische Beschwerden können zudem bestimmte oral verabreichte Antihistaminika helfen, welche die Wirkung des Botenstoffs Histamin unterdrücken und dadurch den Juckreiz lindern. Eine weitere häufig angewendete Maßnahme zur Linderung der Entzündungen ist die Lichttherapie (Phototherapie), bei welcher durch UV-Licht Entzündungszellen gehemmt und ebenfalls der Juckreiz gelindert wird. Bestrahlungen mit UV-Licht sollten jedoch nicht bzw. nur in Ausnahmefällen bei Kindern unter 12 Jahren angewendet werden, denn auch dieses bergen – ebenso wie das Sonnenlicht – das Risiko für Hautkrebs.

Neurodermitis Creme

Besonders wichtig bei der Behandlung ist zudem die tägliche Hautpflege, um die strapazierte und empfindliche Haut zu stärken und widerstandsfähiger gegenüber Reizungen und äußeren Einflüssen zu machen. Je nach dem, welche Symptome auftreten und wie stark diese sind, stehen dabei unterschiedliche Cremes oder Lotionen zur Verfügung, durch welche die Beschwerden gelindert werden können. Ist die Haut „nur“ trocken und teilweise gerötet, ansonsten aber ekzemfrei, eignen sich für die Versorgung mit Fett und Feuchtigkeit am besten Lotionen aus Öl und Wasser. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werde, eher fettiger als zu feucht zu cremen, um einem zusätzlichen Flüssigkeitsverlust und damit noch trockenerer Haut vorzubeugen.

Für die Feuchtigkeitsversorgung sowie bei leichten Verletzungen durchs Kratzen bieten sich neben dem beispielsweise auch Cremes bzw. Salben mit Zink, Nachtkerzenöl, Harnstoff oder Johanniskrautextrakt an. Bei Juckreiz hilft zum einen in vielen Fällen die Einnahme von Antihistaminika, aber auch Zinkoxidpulver sowie Cremes mit Polidocanol, Ballonrebe oder Aloe Vera können eine sehr positive Wirkung erzielen. Ist die Haut entzündet und nässt, sollten Betroffene jedoch eher zu wasserhaltigen Cremes („Öl-in-Wasser“) greifen, um die Haut ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen und durch die Verdunstungskälte die Symptome zu lindern.

Vermieden werden sollte auf jeden Fall die Verwendung von Seife, da diese der Haut noch mehr Fett entzieht und die Zerstörung des Schutzmantels begünstigt wird. Auch sollte vor der Verwendung von Pflegeprodukten unbedingt sorgfältig das Etikett geprüft werden, denn Inhaltsstoffe wie ethoxylierte Alkohole bzw. andere Ethoxylate („PEGs“), Natriumlaurylsulfat (INCI: Sodium Lauryl Sulfate), Parfüm und Konservierungsstoffe können der Haut zusätzlich stark schaden und sollten daher nicht enthalten sein. Stattdessen empfiehlt es sich, pH-neutrale und seifenfreie Lotionen zum Waschen zu verwenden, auch sollte nicht zu häufig geduscht bzw. gebadet werden, um die Haut nicht unnötig zu strapazieren. Da Neurodermitis-Betroffene zusätzlich oft an Pollenallergien und Heuschnupfen leiden, ist es außerdem ratsam, abends zu duschen, damit die Pollen von Haut und Haaren abgewaschen und dadurch nicht weiter in Wohnung, Bett etc. verteilt werden können.

Ob im Einzelfall eher eine Creme, Salbe oder Lotion verwendet wird, hängt zum einen vom Zustand der Haut und den betroffenen Hautstellen, aber auch von der Jahreszeit und dem Alter des Patienten ab. Dementsprechend sollte der Einsatz von Pflegeprodukten im Vorfeld immer mit einem Arzt besprochen werden, um zusätzliche Reizungen der Haut zu vermeiden und eine bestmögliche Linderung der Beschwerden zu erreichen.

Neurodermitis Ernährung

Es gibt zwar keine spezielle Neurodermitis-Diät, dennoch lindert eine Ernährungsumstellung bei vielen Patienten die Symptome. Um herauszufinden, welche Lebensmittel dem Körper eventuell schaden, eignet sich eine allergenarme „Suchkost“, bei der sich für etwa 6-8 Wochen ausschließlich von allergen- und reizarmen Lebensmitteln ernährt wird. Dementsprechend sind für diese Zeit auch Fertigprodukte tabu, da bei diesen die Inhaltsstoffe oft nicht genau ersichtlich sind. Nach Ende der „enthaltsamen“ Zeit wird der Speiseplan nach und nach wieder erweitert, indem etwa alle zwei bis drei Tage etwas Neues hinzukommt und so genau erkannt werden kann, ob bzw. wogegen eine Unverträglichkeit besteht. Um die Verträglichkeit der einzelnen Nahrungsmittel auszuwerten, eignet sich das Führen eines Tagebuchs, durch welches Betroffene den eigenen Ernährungsstil leicht überprüfen und bei Bedarf ändern können. Entscheidend ist, dass diese „Suchdiät“ systematisch und konsequent durchgeführt wird, da es oft sehr schwierig ist, relevante Ernährungsfaktoren zu identifizieren und keine allgemeingültige Liste mit „schädlichen“ Nahrungsmitteln besteht.

Es zeigt sich immer wieder, dass es bestimmte Lebensmittel gibt, die von vielen Betroffenen gut bzw. weniger gut vertragen werden. So gehören zu den erfahrungsgemäß gut verträglichen Dingen beispielsweise Reis, Mais, Hirse, Hafer, Nudeln ohne Ei, Milchprodukte von Ziege und Schaf, Fleisch von Rind oder Huhn sowie unter anderem Blattsalate, Blumenkohl, Brokkoli, Erbsen, Kartoffeln, Spinat und Kürbis. Probleme bereiten hingegen beispielsweise häufig Weizen, Roggen, Hühnereier, Kuhmilch und -produkte, Schweinefleisch und Fisch sowie Möhren, Paprika, Knoblauch, Sauerkraut und Tomaten. Auch Kiwi, Pfirsiche, Rhabarber, Erdbeeren und Zitrusfrüchte sowie Nüsse, Erdnüsse, Alkohol und Kaffee bereiten vielen Betroffenen Probleme und sollten daher wie die anderen allergenreichen Lebensmittel auch bei der Suchdiät zunächst weggelassen und dann nach und nach auf ihre Verträglichkeit hin getestet werden.

Nach der Identifizierung möglicher Unverträglichkeiten, sollte die Ernährung mit allen anderen Lebensmitteln vor allem ausgewogen und vollwertig sein, um den Körper optimal mit Nährstoffen zu versorgen und dadurch das geschwächte Immunsystem zu stärken. In diesem Sinne sollten bei guter Verträglichkeit nach Möglichkeit jeden Tag Milch- und Vollkornprodukte, reichlich Gemüse und Obst sowie ein bis zwei Mal wöchentlich Fisch sowie nicht öfter als zwei bis drei Mal wöchentlich Fleisch und Wurstwaren auf dem Speiseplan stehen. Wird Obst und Gemüse roh nicht gut vertragen, kann eventuell ein kurzes Andünsten Abhilfe schaffen, außerdem sollte beim Öl in erster Linie zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie z.B. Sonnenblumen-, Traubenkern- oder Leinöl gegriffen werden, da diese für die Gesundheit des gesamten Organismus unerlässlich sind. Auch eine erhöhte Trinkmenge ist bei Neurodermitis wichtig, da die trockene Haut deutlich mehr Flüssigkeit verliert als bei Nicht-Betroffenen. Dementsprechend sollten täglich mindestens drei Liter getrunken werden, idealerweise Wasser und ungesüßter Tee.

Ob eine Neurodermitis tatsächlich durch bestimmte Lebensmittel ausgelöst bzw. verstärkt werden kann, sorgt in der Fachwelt nach wie vor für hitzige Diskussionen. Konsens besteht hingegen weitgehend darüber, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung einer Neurodermitis im Kleinkindalter spielen. Dementsprechend wird Frauen mit familiärer Vorbelastung immer wieder empfohlen, ihr Baby mindestens sechs Monate voll zu stillen, um die Kinder möglichst lange vor eventuell allergieauslösenden Eiweißen zu schützen sowie das Immunsystem und die Darmflora positiv zu beeinflussen.

Können oder wollen Frauen nicht stillen, sollte stattdessen eine „hypoallergene“ Babynahrung gefüttert werden, welche auf den Verpackungen an dem Kürzel „H. A.“ erkennbar ist. Die Einführung der so genannten „Beikost“ sollte im Anschluss sehr langsam und behutsam stattfinden, indem Woche für Woche nur ein neues Lebensmittel eingeführt wird, um bereits hier mögliche Unverträglichkeiten entdecken zu können. Ab dem ersten Geburtstag können dann auch glutenhaltige Getreide wie z.B. Hafer oder Dinkel sowie Kuhmilch getestet werden, Eier, Nüsse und Fisch sollten genetisch vorbelastete Kinder jedoch besser erst ab zwei Jahren essen.

Naturheilkunde bei Neurodermitis

Neben den „klassischen“ Behandlungsmethoden mit Medikamenten und der entsprechenden Hautpflege eignen sich auch verschiedene Naturheilverfahren, um die Symptome zu lindern. In vielen Fällen hat sich beispielsweise die Hydrotherapie nach Sebastian Kneipp (Kaltanwendungen, Warmbäder mit rückfettenden Ölen etc.) bewährt, durch welche das Immunsystem gestärkt, die natürliche Hautfunktion aktiviert sowie die Entspannung gefördert wird. Auch das „Darm-Kneippen“ bzw. die Darmspülung hat aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Wirkung seit je her einen festen Platz in der Naturheilkunde, wobei heute häufig die so genannte „Colon-Hydro-Therapie“ (CHT) eingesetzt wird (griechisch „Colon“ für Dickdarm und „Hydro“ für Wasser). Diese moderne Variante des klassischen Einlaufs hat sich mittlerweile in vielen Fällen bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Akne als hilfreich erwiesen, am häufigsten wird sie jedoch bei Verdauungsproblemen wie Verstopfung oder einem Blähbauch eingesetzt, ebenso wie bei einem gestörten Stoffwechsel beispielsweise in Folge einer falschen Ernährung oder schädlicher Umwelteinflüsse.

Ausgangspunkt ist hier die naturheilkundliche Annahme, dass ein gesunder Darm die Grundlage und Voraussetzung für eine gute Gesundheit bildet, weshalb das Ziel der CHT darin besteht, den Darm auf natürliche Weise zu reinigen und schädliche Bakterien sowie Hefepilze auszuspülen. Zu diesem Zweck wird erwärmtes Wasser durch ein Kunststoffröhrchen in den Endarm geleitet, gleichzeitig wird die Bauchdecke sanft massiert, um das Wasser in die betroffenen Bereiche zu leiten. Die gelösten Stoffe sowie das Wasser aus dem Darm fließen dann durch ein zweites Rohr direkt in den Abfluss („geschlossenes System“), wodurch unangenehme Gerüche vermieden werden können, zudem verursacht die Colon-Hydro-Therapie keine Schmerzen und wird normalerweise als sehr wohltuend und „befreiend“ empfunden.

Eine alternative Therapie ist die Fisch-Therapie. Dabei werden von den Fischen die kranke Haut abgeknappert. (Bild: Heiko Barth/fotolia)
Eine alternative Therapie ist die Fisch-Therapie. Dabei wird von den Fischen die kranke Haut abgeknappert. (Bild: Heiko Barth/fotolia)

In der Naturheilkunde werden sehr oft pflanzliche Heilmittel zum Einsatz, welche sowohl innerlich als auch äußerlich angewandt werden. In Frage kommen hier beispielsweise für eine innere Anwendung in Form von Tee oder einer Tinktur unter anderem Hafer, Kerbel oder Rooibos. Für eine äußerliche Anwendung können Heilpflanzen beispielsweise als Umschlag eingesetzt werden, indem ein Tuch mit Kräutertee getränkt wird und nach Bedarf entweder kalt oder heiß auf die betroffene Stelle gelegt wird. Neben dem sind Waschungen, Spülungen oder ein Bad mit Tee probate Mittel, ebenso wie natürlich Salben und Cremes, die mehrmals am Tag zur Behandlung betroffener Hautstellen aufgetragen werden. Für die äußere Anwendung eignen sich vor allem Heilpflanzen wie Aloe, Blutweiderich, Kamille oder Schafgarbe, ebenso wie Heidekraut, Hibiskus, Schöllkraut und Ulme.

Auch die Homöopathie findet häufig Anwendung. Leiden Betroffene zum Beispiel unter chronischen, trockenen Ekzemen, die einen starken, vorwiegend nächtlichen Juckreiz verursachen, hat sich in vielen Fällen Sulfur (D4, D6) bewährt. Bei aufgesprungener und rissiger Haut wird hingegen oft Sepia in der Potenz D6 eingesetzt – gerade wenn die Beschwerden an der frischen Luft besser, aber durch Wärme schlechter werden. Auch Arsenicum album kommt häufig bei Neurodermitis in der Potenz D6 zum Einsatz, vor allem bei rauer, trockener, schuppiger Haut, einem nachts schlimmer werdenden Brennen und Hautjucken sowie innerer Unruhe. Bei Kindern wird im Falle von Entzündungen der Haut, trockenem Ausschlag, Milchschorf sowie Hautbrennen und Juckreiz oft Calcium carbonicum in der Potenz D12 empfohlen, insbesondere wenn sich die Symptome bei kalter Luft bessern und bei feuchtem Wetter verschlechtern.

Ist der Hautausschlag hingegen eher nässend, werden zum Beispiel Dulcamara oder Kreosotum verwendet, bewährt hat sich im Falle von immer wieder kehrenden dunkelroten, feuchten Ekzemen mit Pusteln und Bläschen, die stark jucken und brennen oft auch Rhus toxicodendron. Weist die Haut Krusten und eitrige Hautauschläge auf, eignet sich überdies auch Calcium sulfuricum (D4,D6), auch Graphites (D6) bietet ein hilfreiches Homöopathikum bei harten Krusten mit unterliegendem gelbem, klebrigen Sekret, starkem nächtlichem Juckreiz und brennenden Schmerzen.

Schüssler-Salze können helfen, wobei die Auswahl des „richtigen“ Mittels zum einen davon abhängig ist, ob die Erkrankung akut oder chronisch ist und wie die Haut bzw. die Absonderungen beschaffen sind. Hauptsächlich werden in der chronischen Phase dennoch das Salz Nr.2 (Calcium phoshoricum), Nr.6 (Kalium sulfuricum), Nr.8 (Natrium chloratum) und Nr.9 (Natrium phosphoricum) eingesetzt, von denen Erwachsene drei Mal am Tag je 2 Tabletten im Mund zergehen lassen oder in Wasser aufgelöst trinken. Für Kinder wird hingegen meist eine Dosierung von drei Mal täglich je einer Tablette empfohlen, welche aufgelöst in ein Glas Wasser getrunken wird. In der akuten Phase mit starkem, oft unerträglichem Juckreiz und entzündlich-roten Hautveränderungen, eignet sich vor allem das Schüssler-Salz Nr.3 (Ferrum phosphoricum), welches Erwachsene stündlich in Form einer Tablette im Mund zergehen lassen, während das Heilmittel für Kinder wieder zum Trinken in warmem Wasser aufgelöst wird. Ebenso kann das Salz Nr.7 (Magnesium phosphoricum D6) bei einem Neurodermitis-Schub helfen, bei starkem Juckreiz vor allem durch die Anwendung als „heiße Sieben“, für welche acht bis zehn Tabletten mehrmals täglich in heißem Wasser aufgelöst und dann schluckweise getrunken werden.

Angesichts der Vielfalt und verschiedenen Anwendungsgebiete sollte die Einnahme von homöopathischen Mitteln und Schüssler Salzen jedoch im Vorfeld immer zunächst mit einem Homöopathen bzw. Heilpraktiker abgesprochen werden, um das für den Einzelfall richtige Mittel sowie die entsprechende Dosierung und Anwendungsdauer zu bestimmen. Dies gilt insbesondere, wenn betroffene Kinder auf diesem Wege unterstützend behandelt werden sollen, da für diese in den meisten Fällen andere Dosierungen und Darreichungsformen empfohlen werden als für Erwachsene. Dies lässt sich auch für die Bachblütentherapie festhalten, welche ebenfalls häufig mit Erfolg in der Therapie von Neurodermitis eingesetzt wird, denn auch hier ist die Verwendung der Mittel sehr individuell.

Mit Neurodermitis leben lernen

Neurodermitis als bislang nicht heilbare Erkrankung, tritt sehr facettenreich auf und hat dadurch meist nicht nur Auswirkungen auf den Betroffenen selbst. Stattdessen zeigen sich Außenstehende häufig abgeschreckt durch das ständige Jucken, die Rötungen, Ekzeme und schuppige, krustige Haut und fürchten, sich an den Hautveränderungen anstecken zu können. Daraus entsteht oft ein Teufelskreis, denn durch die Ablehnung kommt es zu Schamgefühlen, Ängsten oder gar sozialem Rückzug, was sich in der Folge wiederum negativ auf den Verlauf der Krankheit auswirkt und die Haut noch stärker „aufblühen“ lässt. Denn neben Umweltreizen und Allergenen sind es vor allem psychische Spannungen, welche die Entwicklung der Erkrankung bei entsprechender Veranlagung begünstigen oder einen akuten Schub auslösen können. Psychische Belastungen werden dabei von Person zu Person unterschiedlich empfunden, wobei es nicht nur um „negative“ Emotionen wie Angst, Sorgen oder Wut geht, denn auch positive Ereignisse wie beispielsweise Freude oder Aufregung können sich auf die Haut auswirken.

Jede Form von Stress kann prinzipiell den Verlauf der Neurodermitis negativ beeinflussen, weshalb es gerade für Neurodermitiker wichtig ist, einen entsprechenden Umgang mit diesem zu lernen. Hierfür stehen verschiedene Übungen und Maßnahmen zum Stressabbau zur Verfügung, bewährte Entspannungsverfahren sind zum Beispiel Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Yoga oder Meditation.

Darüber hinaus kann die Vermeidung bestimmter krankheitsbegünstigender Faktoren das Leben deutlich erleichtern. Dabei eignen sich die unterschiedlichen Maßnahmen zum einen zur Vorbeugung, aber natürlich auch gerade dann, wenn bereits eine entsprechende Allergie nachgewiesen werden konnte. Wer also beispielsweise gegen Hausstaubmilben allergisch ist, sollte seine Wohnung unbedingt weitestgehend von Milben befreien, z.B. durch den Verzicht auf offene Regale und langflorige Teppichböden, regelmäßiges Staubwischen, milbendichte Matratzenbezüge und kochfeste Bettwäsche. Ebenso sollte konsequent darauf geachtet werden, dass sich keine Schimmelpilze in der Wohnung befinden. Besonders wichtig sind daher trockene, gut gelüftete Räume, wobei lieber mehrmals täglich stoßgelüftet werden sollte, anstatt ständig das Fenster auf Kipp zu halten. Darüber hinaus raten Gesundheitsexperten allergiebelasteten Familien dazu, keine Haustiere anzuschaffen sowie Pollen zu vermeiden, da Neurodermitiker auf diese oft mit einer Verschlechterung des Hautbildes reagieren. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich auch, die Kleidung nicht im Schlafzimmer auszuziehen oder dort liegen zu lassen sowie während der Saison abends die Haare zu waschen, um die Pollen nicht noch unnötig weiter zu verteilen. Nicht zuletzt sollte in Wohnungen und Autos von Betroffenen ein generelles Rauchverbot herrschen, denn Rauchen erhöht das Allergie- und Neurodermitisrisiko deutlich.

Da Neurodermitis oft Kinder betrifft, ist es für Eltern zudem wichtig, entsprechende Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um mit den zusätzlichen Belastungen (Hautpflege, Ernährungs-Umstellung, Arztbesuche etc.) und dem Leid des Kindes durch Juckreiz, Hautveränderungen und den Folgen des Schlafmangels umgehen zu lernen. Hier bieten spezielle Neurodermitis-Schulungen bei Krankenkassen, Volkshochschulen etc. eine sinnvolle Unterstützung, indem Betroffene wertvolle Tipps und Hilfestellungen für ein möglichst unbeschwertes Leben trotz der Erkrankung erhalten und lernen können, ihrem Kind bestmöglich zur Seite zu stehen. (nr)

Bild: www.activebizz.de / pixelio.de